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Ärzteschaft

Erfahrungen im Gesundheits­system tragen zur Schmerz-Chroni­fizierung bei

Montag, 21. Oktober 2013

Göppingen – Erfahrungen von Patienten beeinflussen die Behandlungsergebnisse in der Schmerzmedizin stark – offenbar leider oft negativ. „Die geringe Zuwendung, die diese Patienten erhalten, sowie die Vielzahl vergeblicher Behandlungsversuche wirken als Nocebo und spielen bei der Chronifizierung von Schmerzen eine große Rolle“, sagte Gerhard Müller- Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie bei den Südwestdeutschen Schmerztagen am vergangenen Wochenende in Göppingen.

Während der Placebo-Effekt beschreibt, dass eine positive Erwartung aus einem Wirkstoff-freien Scheinmedikament eine heilsame Arznei machen kann, gilt für Nocebos das Gegenteil: Eine negative Erwartung kann dazu führen, dass ein wirksames Schmerzmittel nicht besser hilft als eine Zuckerpille.

„Placebo- und Nocebo-Effekte haben ganz eindeutig ein neurobiologisches Korrelat“, sagte Ulrike Bingel von der Universitätsklinik Essen auf den Südwestdeutschen Schmerztagen. Eine positive Erwartungshaltung aktiviere beispielsweise die körper­eigene Schmerzhemmung und negative Erfahrungen und Erwartungen könnten Schmerzen verstärken und so die Wirksamkeit einer Behandlung schwächen.

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Darum seien eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient sowie schnelle Strategie­wechsel nach vergeblichen Therapieversuchen wichtig, um Nocebo-Effekte zu vermeiden, so die Neurologin und Schmerzforscherin.

„Schmerzpatienten machen in unserem Gesundheitssystem jedoch andere Erfahrungen“, kritisierte Müller-Schwefe. Eine „systembedingte sprachlose Drei-Minuten-Medizin und Monotherapien“ wirkten bei Schmerzpatienten als Nocebo und seien eine der Hauptgründe für Chronifizierungen. Er betonte, die Kombination verschiedener medizinischer und psychologischer Strategien mit Bewegungstherapien seien Monotherapien überlegen.

„Doch Spezialisten und Zentren, die solche Therapien anbieten, sind in Deutschland noch immer Mangelware. Damit sich die Versorgung der Patienten an deren Bedarf und nicht an falschen gesundheits- und standespolitischen Rahmenbedingungen orientiert, brauchen wir den Facharzt für Schmerzmedizin“, so Müller-Schwefe.

© hil/aerzteblatt.de

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