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Medizin

Massenimpfung bei Cholera-Ausbruch in Guinea

Dienstag, 22. Oktober 2013

Paris – Die breite Anwendung eines oralen Cholera-Impfstoffs ist erstmals als zusätzliche Maßnahme zur Kontrolle einer Cholera-Epidemie in Guinea zum Einsatz gekommen. Erreicht wurde eine Durchimpfungsrate von rund 75 Prozent. Francisco Luquero und Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am epidemiologische Forschungszentrum Epicentre veröffentlichten ihre Ergebnisse in PLOS Neglected Tropical Diseases (http://dx.doi.org/10.1371/journal.pntd.0002465 ).

Seit 2010 empfiehlt die WHO die Schluckimpfung gegen Cholera in Epidemiegebieten. Nach Informationen des Robert-Koch-Institutes liegt die Schutzrate je nach Altersgruppe nach sechs Monaten zwischen 76 und 100 Prozent. Die Schutzdauer der Impfung ist vergleichsweise kurz. Sie liegt bei Erwachsenen bei etwa zwei Jahren, während sie bei Kindern für gewöhnlich nur sechs Monate beträgt.

Die Primärprävention der Cholera betrifft vor allem allgemeine Hygienemaßnahmen, sichere Wasserquellen und intakte Sanitäreinrichtungen. Der Nutzen einer Durchimpfung der Bevölkerung in Epidemiegebieten ist momentan Gegenstand der Forschung. Da Cholera-Epidemien eher Regionen mit schlechter Infrastruktur und mangelnder medizinischer Versorgung betreffen, sind Durchführbarkeit, Kosteneffektivität und die Akzeptanz in der Bevölkerung Grundvoraussetzung für Impfkampagnen.

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Im Frühjahr 2012 mehrten sich Hinweise auf eine drohende Cholera-Epidemie in Guinea. Frühe Cholerafälle vor der Regenzeit, ein langer Zeitabstand zur letzten Epidemie und ein Cholera-Ausbruch im Nachbarstaat Sierra Leone waren starke Indikatoren für einen Ausbruch der Krankheit. Mit der Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen konnten 316.250 Impfdosen an die Bevölkerung der Präfekturen Boffa und Forécariah ausgegeben werden.

Die Wissenschaftler überprüften bei 5.248 Einwohnern aus den Regionen durch Haushaltsbefragungen und Impfpasskontrollen die Impfrate in der Bevölkerung. 75,8 Prozent aus Boffa und 75,9 Prozent aus Forécariah hatten während der Kampagne die notwendigen zwei Impfungen erhalten. In der Altersgruppe der unter 15-Jährigen lag die Impfrate am höchsten. Hier erhielten mehr als 80 Prozent der Kinder zwei Impfdosen gegen Cholera. Schwere Nebenwirkungen traten in der befragten Gruppe nicht auf. Die Akzeptanz der Impfung in der Bevölkerung war ausgesprochen hoch. 98,9 Prozent der geimpften Personen bestätigten, dass sie wieder an einer Impfkampagne teilnehmen würden.

Laut der Arbeitsgruppe legen die Ergebnisse nahe, dass die breite Impfung der Bevölkerung bei einer drohenden Epidemie möglich ist. Dennoch muss die Impfung laut der Wissenschaftler lediglich als zusätzliche Maßnahme betrachtet werden. Nur die Bekämpfung der Armut, sowie der Zugang zu Trinkwasser und Sanitäranlagen könnten Cholera-Ausbrüche nachhaltig verhindern. © hil/aerzteblatt.de

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