Vermischtes

Methoden zur Beurteilung von Forschungsleistungen oft mangelhaft

Dienstag, 22. Oktober 2013

Berlin – Der sogenannte Journal Impact Factor ist nur sehr bedingt dafür geeignet, medizinische Forschungsleistungen einzuschätzen. Neue, aussagekräftigere und damit gerechtere Instrumente seien durchaus verfügbar und praktikabel, würden aber selten angewandt. Das kritisierten Wissenschaftler und Ärzte auf dem internationalen Berliner Forum der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) Mitte Oktober in Berlin.

Der Journal Impact Factor ermittelt, wie häufig Artikel in einer bestimmten Fachzeitschrift im Durchschnitt innerhalb von zwei Jahren zitiert werden, wird aber häufig auch als Maß für die Qualität einzelner Beiträge, ihrer Verfasser oder ganzer Institutionen eingesetzt. Die Beurteilung spielt eine wichtige Rolle bei der Entscheidung über individuelle Forscherkarrieren, die Bereitstellung von Fördermitteln durch Universitäten und Förderorganisationen sowie bei der Hochschulfinanzierung.

Anzeige

Die Experten kritisierten, dass der Impact Factor nicht berücksichtige, in welchem Fach beziehungsweise Arbeitsumfeld eine Publikation entstanden ist. Zwischen unter­schiedlichen medizinischen Forschungsgebieten wie biomedizinischer Grundlagen­forschung, klinischer Forschung am Patienten oder Versorgungsforschung hätten sich aber unterschiedliche Forschungs- und Publikationskulturen entwickelt.

Im Übrigen sage auch die reine Summe eingeworbener Fördermittel von Dritten wenig über die Qualität eines Forschers aus, zum Beispiel, weil manche Zuwendungen interessengeleitet seien. Bedeutsamer sei, ob Forschungsergebnisse Eingang in die medizinische Praxis fänden und zum Beispiel in Leitlinienempfehlungen niedergelegt seien.

Aber auch weitere Merkmale, etwa die Fähigkeit zu interdisziplinärem Denken und Teamarbeit, ein hohes Engagement in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der ärztlichen Weiter- und Fortbildung zeichneten herausragende Forscher in der Medizin aus. Da sich diese Fähigkeiten weniger leicht in Zahlen fassen ließen, blieben sie in der Bewertung oft unberücksichtigt.

Die AWMF empfiehlt, die Instrumente zur Evaluation der Wissenschaft selbst auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen und anstelle einzelner Maßzahlen ein umfassenderes Spektrum von Qualitätsindikatoren zu entwickeln, das eine zuverlässige, transparente und faire Evaluation medizinischer Forschungsleistung ermögliche. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20.02.17
Heidelberg – Am 1. Februar hat an der Universität Heidelberg das Heidelberg Center for Motion Research mit seiner Forschungsarbeit begonnen. Die Carl-Zeiss-Stiftung unterstützt die Einrichtung mit......
15.02.17
Würzburg – Mit der Aktion „Dein Immunsystem wird Deine Waffe gegen Krebs“ hat der Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ innerhalb von rund neun Monaten über eine Million Euro gesammelt. Er möchte damit......
09.02.17
Kiel – Mit einem Millionenprogramm für Top-Wissenschaftler will Schleswig-Holstein seine Führungsposition in der Entzündungsforschung dauerhaft festigen. Spezielle Professuren sollen Spitzenforscher......
19.01.17
Jena – Die US-Firma MicrobeDx will gemeinsam mit Partnern in Jena ein Testverfahren zur schnellen Diagnose von Harnwegsinfektionen auf den Markt bringen. Das kalifornische Unternehmen habe dafür in......
11.01.17
Forschung und Entwicklung: Deutschland hat hohe Innovationskraft
Berlin – Deutschland gehört zu den fünf Ländern, die gemessen am Anteil des Bruttoinlandproduktes weltweit am meisten in Forschung und Entwicklung investieren. Das berichtet der „Science Technology......
11.01.17
München – Auf Initiative des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin und des Lehrstuhls für Technikgeschichte an der Technischen Universität München (TUM) nimmt die Forschergruppe......
07.12.16
Berlin/Bonn – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet ein Graduiertenkolleg ein, das die quantitative Bildgebung in der Medizin weiterentwickeln soll. Die Charité – Universitätsmedizin......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige