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Medizin

Babyersatznahrung fördert Pylorusstenose

Dienstag, 22. Oktober 2013

dpa

Seattle – Säuglinge, die mit Ersatznahrung gefüttert werden, erkranken doppelt so häufig wie gestillte Kinder an einer Pylorusstenose. Dies kam in der bisher größten Fall-Kontrollstudie zur der häufigsten Ursache für chirurgische Eingriffe in den ersten Lebenswochen in JAMA Pediatrics (2013; doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.2857) heraus.

Die Ursache der hypertrophen Pylorusstenose ist gänzlich ungeklärt. Bei den ansonsten gesunden Säuglingen kommt es zumeist ab der zweiten bis sechsten Woche nach der Nahrungsaufnahme zum schwallartigen Erbrechen. Ihm liegt eine Verengung des Magenausgangs zugrunde, die einen Weitertransport des Speisebreis vom Magen ins Duodenum zunehmend behindert.

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Die langsame Entwicklung in den ersten Wochen legt einen Einfluss äußerer Faktoren nahe, wobei die Rolle von Stillen oder Ersatznahrung seit langem kontrovers diskutiert wird. In den 70er und 80er Jahren wurde das Stillen als Auslöser vermutet, doch seit einigen Jahren weisen epidemiologische Untersuchungen in die entgegengesetzte Richtung. So auch die jetzt von Jarod McAteer vom Seattle Children's Hospital und Mitarbeitern vorgelegte Fall-Kontrollstudie, in der 714 Kinder, bei denen eine Pyloro­myotomie durchgeführt wurde, mit jeweils zehn gesunden Kontrollen verglichen wurden.

Die Untersuchung umfasst den Zeitraum zwischen 2003 und 2009, in dem es im US-Staat Washington zu einer Abnahme der Inzidenz der hypertrophen Pylorusstenose von 14 auf 9 pro 100.000 Geburten gekommen ist. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Frauen, die bei der Entlassung aus der Geburtsklinik ihr Kind stillten, von 80 auf 94 Prozent.

Der sich aufdrängende Zusammenhang wird in der weiteren Analyse bestätigt. Kinder mit hypertropher Pylorusstenose wurden zu 19,5 Prozent von Anfang an mit Flaschen­nahrung gefüttert, während dies in der Kontrollgruppe nur bei 9,1 Prozent der Kinder der Fall war. McAteer errechnet eine Odds Ratio von 2,31, mit einem 95-Prozent-Konfidenz­intervall von 1,81 bis 2,95 bestand damit eine signifikante Assoziation mit der Flaschen­ernährung, die laut weiteren Berechnungen für etwa 11 Prozent aller hypertrophen Pylorusstenosen verantwortlich sein könnte (wenn sie denn kausal ist).

Die Flaschennahrung wäre demnach nicht die einzige Ursache. Die Studie ermittelte weitere Risikofaktoren: Dazu gehört ein männliches Geschlecht (Odds Ratio für Mädchen 0,20; 0,16-0,25), ein höheres Alter der Mutter (Odds Ratio für 35 Jahre oder älter 0,54; 0,37-0,80), mehrere frühere Geburten (Odds Ratio für Multipara 0,68; 0,54-0,87) und Rauchen der Mutter (Odds Ratio 1,53; 1,20-1,95).

Diese Ergebnisse geben Raum für weitere Spekulationen zu den Auslösern der Erkrankung, die beispielsweise auf hormoneller Ebene oder auch in der Zusammen­setzung der Ersatznahrung vermutet werden können, ohne dass es hier derzeit allerdings gesicherte Erkenntnisse gibt. © rme/aerzteblatt.de

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