NewsMedizinWHO empfiehlt erstmals Impfstoff „Made in China“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

WHO empfiehlt erstmals Impfstoff „Made in China“

Dienstag, 22. Oktober 2013

Genf – Eine Vakzine gegen die Japanische Enzephalitis ist der erste Impfstoff „made in China“, der es auf die Liste der von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfohlenen Mittel geschafft hat. In Kürze könnte eine weitere Vakzine gegen die Hepatitis E folgen.

Gemessen an den produzierten Mengen sind chinesische Firmen schon heute die weltweit größten Hersteller von Impfstoffen. Außerhalb des Reichs der Mitte sind sie lange Zeit nicht aktiv gewesen. Dies hat sich in den letzten Jahren geändert. Seit März 2011 erfüllen die chinesischen Behörden die Anforderungen, die die WHO an den internationalen Einsatz von Impfstoffen stellt.

Die chinesischen Hersteller können sich seither um eine Empfehlung der WHO bemühen, an die viele Länder und Hilfsorganisationen den Einkauf von Impfstoffen knüpfen. Anfang Oktober wurde jetzt der erste Impfstoff „made in China“ in die WHO-Liste der „prequalified vaccines“ aufgenommen.

Anzeige

Die Vakzine des Herstellers Chengdu Institute of Biological Products (CDIBP), eine Tochter der China National Biotec Group mit Sitz in Peking, schützt Säuglinge bereits nach einmaliger Gabe vor einer Japanischen Enzephalitis. Auslöser ist das Japanische Enzephalitis-Virus (JEV), das wie das Gelbfiebervirus zu den Flaviviren gehört. Es wird von bestimmten Stechmücken übertragen, die in Süd- und Südostasien heimisch sind.

Die Erkrankung ist weitgehend auf Indien, Pakistan, Nepal, Burma, Thailand, China, Japan und Korea beschränkt. Die meisten Infektionen verlaufen inapparent oder als grippaler Infekt. Es kann jedoch auch zu einer akuten Meningoenzephalitis kommen, die in 30 Prozent der Fälle tödlich endet. Betroffen sind vor allem Einheimische, Touristen erkranken äußerst selten an einer Japanischen Enzephalitis.

Der einzige in westlichen Ländern zugelassene Impfstoff ist Ixiaro, den der österreichische Hersteller Intercell zusammen mit Novartis vertreibt. CDIBP bietet seit 1999 einen vergleichbaren Impfstoff an, der seit 1999 in elf asiatische Länder exportiert wurde.

Der Impfstoff ist nach Einschätzung der WHO sicher und wirksam, er kostet weniger und im Gegensatz zu Ixiaro ist nur eine einzige Impfdosis erforderlich. Laut Recherchen von Nature will die GAVI Alliance, der weltweit wichtigste Sponsor von Impfstoffen, im November entscheiden, ob die Impfung in das Programm aufgenommen wird. In China sollen schon jetzt jedes Jahr 20 Millionen Kinder gegen JEV geimpft werden.

Ein weiterer chinesischer Kandidat für die Impfstoffliste der WHO ist Hecolin. Der weltweit erste Impfstoff gegen Hepatitis E, eine gentechnisch in E. Coli-Bakterien hergestellte Vakzine der Firma Xiamen Innovax Biotech (aus Xiamen in der Provinz Fujian), wurde im Dezember 2011 in China zugelassen. Er schützt vor einer Hepatitis E, die in einigen Ländern Ostasiens endemisch ist, so in der  Provinz Xinjiang (ganz im Westen Chinas gelegen und von Uiguren bewohnt).

Dort sind in einer Epidemie Ende der 80er Jahre 120.000 Menschen erkrankt mit 700 Todesfällen. Das Hepatitis E-Virus wird fäkal-oral zumeist durch kontaminiertes Trinkwasser oder Lebensmittel übertragen. Die Hepatitis E verläuft meistens milde, kann aber, vor allem bei Schwangeren zum tödlichen Leberversagen voranschreiten. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

1. April 2020
Langen – Impfstoffe gegen Pneumokokken sind weiterhin nur begrenzt verfügbar. Voraussichtlich ab dem 3. April soll aber Nachschub kommen. Die Firma MSD importiert zwei Chargen ihres
Nachschub an Pneumokokken-Impfstoff kommt diese Woche aus Japan
31. März 2020
Berlin – Eine versehentliche Rötelnimpfung kurz vor der Empfängnis oder in der Frühschwangerschaft hat in Studien bislang nicht zu einer Rötelnembryopathie (CRS, congenital rubella syndrome) geführt.
Keine Hinweise für fetale Schäden nach versehentlicher Rötelnimpfung in der Schwangerschaft
24. März 2020
Nijmegen und Berlin − Nach einer unter Wissenschaftlern lange umstrittenen Hypothese löst eine Impfung mit Lebendviren eine unspezifische Aktivierung des Immunsystems aus, die die Geimpften auch
Können Tuberkulose-Impfstoffe die Abwehrkräfte gegen SARS-CoV-2 verstärken?
23. März 2020
Peking − Nach zwei Monaten strikter Isolationsmaßnahmen wegen des Coronavirus kehrt in Zentralchina langsam wieder Normalität ein. In der Millionenmetropole Wuhan, wo das Virus im Dezember
In Wuhan kehrt nach langer Isolation langsam wieder Normalität ein
21. März 2020
Berlin - Der amtierende Chef des Tübinger Biotechunternehmens CureVac, Franz Werner Haas, hält bereits ab Herbst die Versorgung zehntausender Menschen mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus für
CureVac-Chef: Ab Herbst könnten Zehntausende Corona-Impfstoff erhalten
17. März 2020
Berlin/Tübingen – Jüngste Medienberichte über einen mutmaßlichen Versuch der USA, sich exklusiven Zugriff auf einen möglichen SARS-CoV-2-Impfstoff aus Deutschland verschaffen, haben für Diskussion
CureVac: „Es gab kein Angebot aus den USA“
17. März 2020
Bethesda/Maryland – In Seattle haben gestern die ersten von 45 gesunden Probanden einer Phase-1-Studie einen experimentellen Impfstoff gegen das SARS-CoV-2 erhalten. Erste Ergebnisse könnten laut den
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER