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Medizin

PTBS: Antihistaminikum schwächt negative Erinnerungen

Dienstag, 22. Oktober 2013

dpa

Basel – Ein älteres Antihistaminikum ist der neueste Therapieansatz in der Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Interessant an der Publikation des Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2013; doi: 10.1073/pnas.1314478110) ist weniger die eher schwache Wirkung, als der Weg, über den die Wirksamkeit entdeckt wurde.

Am Anfang des Projekts stand eine „Gene Set Enrichment Analysis“. Zunächst wurden 1.802 gesunde Erwachsene daraufhin untersucht, ob sie zu aversiven Erinnerungen neigen. Dazu wurde den Probanden eine Reihe von Bildern mit positivem, negativem oder neutralem emotionalen Inhalt vorgelegt, an die sie sich später erinnern mussten.

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Probanden, die häufiger Bilder mit negativen Inhalten im Gedächtnis behalten, gelten als anfälliger auf eine PTBS. In den Genen dieser Personen suchte das Team um Andreas Papassotiropoulos und Dominique de Quervain von der Universität Basel dann nach genetischen Auffälligkeiten, was heute mit Hilfe von Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) relativ einfach möglich ist.

Die Forscher konnten auf diese Weise rund 20 Gene identifizieren, die beim Erinnern von negativen Gedächtnisinhalten beteiligt sind. Aus der Funktion der Gene schlossen sie dann auf mögliche Wirkstoffe. Sie fanden eine ganze Reihe von Kandidaten, darunter übrigens auch Morphin, dessen Einsatz als Schmerzmittel bei US-Soldaten im Irakkrieg in einer früheren Studie tatsächlich mit einer verminderten Rate von PTSD assoziiert war (NEJM 2010; 362: 110–117).

Das Schweizer Team entschied sich für die weiteren Experimente dann jedoch für einen anderen Wirkstoff, der nach den genetischen Recherchen ebenfalls eine gute Wirkung versprach: Diphenhydramin, ein Antihistaminikum der ersten Generation, das heute aufgrund seiner sedierenden Wirkung als Einschlafmittel verordnet wird.

In einem doppelblinden Experiment nahmen 20 Probanden eine Dosis von 50mg des Wirkstoffs oder Placebo ein, bevor sie den oben genannten Gedächtnistest durchführten. Dies senkte, wie die Forscher jetzt berichten, die Rate der negativen Erinnerungen (während Bilder mit neutralem Inhalt weiter behalten wurden, was Erinnerungslücken infolge der sedierenden Wirkung des Wirkstoffs ausschließt).

Aufgrund seiner Nebenwirkungen dürfte sich Diphenhydramin wohl kaum als Mittel zur Behandlung der PTBS eignen, bei der die Patienten vor allem durch ihre Erinnerungen traumatisiert werden. Die von den Forschern aufgestellte Liste enthält jedoch noch eine Reihe weiterer Wirkstoffe.

Die Forscher hoffen mit ihrer Suchmethode noch weitere psychiatrisch wertvolle Wirkstoffe zu finden, vielleicht sogar Mittel mit einer gedächtnisverbessernden Wirkung, wie sie in der Pressemitteilung verlauten. Zu diesem Zweck haben sie sogar eine eigene Firma gegründet, die sie passender Weise „GeneGuide“ genannt haben © rme/aerzteblatt.de

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