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Ärzteschaft

Arztentlastung: Bitte mehr EVA, AGnES, VERAH und Co

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Berlin – In Zukunft wird es noch wichtiger werden, Ärztinnen und Ärzte durch speziell qualifizierte medizinische Fachkräfte in der Versorgung zu entlasten. Deshalb müssen die unterschiedlichen Modelle hierzu, ob AGnEs, MoNi oder andere, anerkannt und für den bundesweiten Einsatz weiterentwickelt werden. Diese Auffassung vertraten die Teil­nehmer einer Fachkonferenz zum Einsatz arztentlastender Fachkräfte, zu der die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg (IGiB)“ gestern nach Berlin eingeladen hatte. Zu dieser AG haben sich die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Brandenburg, die AOK Nordost und die Barmer GEK zusammengeschlossen.

Bei den Modellen gebe es „sehr unterschiedliche Ausgestaltungen, aber auch sehr große Schnittmengen“, betonte der Vorstandsvorsitzende der KV Brandenburg, Hans-Joachim Helming. Die verschiedenen Ansätze zur Arztentlastung unterscheiden sich im Hinblick auf die notwendigen Voraussetzungen, das Aufgabenspektrum und die Finanzierung. Und während es gerade einmal sechs Arztpraxen gibt, die den Einsatz entsprechend weiterqualifizierter Medizinischer Fachangestellter im Rahmen des „Modells Niedersachsen“, kurz MoNi, erproben, arbeiten bereits rund 4.400 Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH), vor allem im Süden.

„AGnES zwei“: Unterstützung auch für MVZ und Netze
Helming plädierte dafür, vor allem die als positiv bewerteten Aspekte der einzelnen Modelle herauszugreifen, für sie eine gemeinsame, verbindende Struktur zu schaffen und dafür zu sorgen, dass arztentlastende Fachkräfte in der Regelversorgung ihren Platz finden. Dafür erhielt er von Ärzten und Fachkräften Zustimmung.

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„Große Unterschiede kann ich bei den Modellen nicht erkennen. Am Ende läuft es doch alles auf dasselbe hinaus“, befand Annette Sauer, Ärztin in einem Medizinischen Versorgungs­zentrum für Blut- und Krebserkrankungen in Potsdam, wo eine „AGnES zwei“ arbeitet. Sie ist, anders als die bekannte gleichnamige Gemeindeschwester aus dem DDR-Fernsehen, für das Fallmanagement zuständig und kann Einzelpraxen, Ärztenetze oder Medizinische Versorgungszentren unterstützen.

 „Warum brauchen wir diesen Flickenteppich? Alle haben doch die gleiche Aufgabe: Arztentlastung, Versorgungsverbesserung“, meinte Uwe Milbradt. Im Medizinischen Versorgungszentrum in Oschersleben/Sachsen-Anhalt, in dem er mit Kollegen arbeitet, sind mehrere VERAH angestellt, mit der Entlastung durch sie ist Milbradt zufrieden. Er forderte, nicht länger Grundsatzdiskussionen über die Delegation ärztlicher Leistungen oder die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe zu führen. Vielmehr solle man für Entlastung der Ärztinnen und Ärzte in der Versorgung vor Ort sorgen: „Denn wir sind die Frontschweine, vor uns ist keiner mehr. Für uns muss es passen.“

Erst Zwang, dann Zufriedenheit
„Ich war sehr skeptisch. Meine Frau hat mich gezwungen teilzunehmen“, berichtete Michael Renken, der in einer ländlichen hausärztlichen Gemeinschaftspraxis mit seiner Frau und einem Kollegen den Einsatz einer arztentlastenden Fachkraft im Rahmen von MoNi testet. Renken plädierte für ein schlankes Fortbildungscurriculum: Viele Praxismitarbeiterinnen seien gut ausgebildet und nach einigen Jahren sehr erfahren. Sie benötigten keine umfangreichen Zusatzqualifikationen mehr, damit man Aufgaben an sie delegieren könne. Viele Kollegen, gab Renken zu bedenken, haben zudem nur zwei Helferinnen und können nicht noch deren umfangreiche Fortbildung schultern.

Die Zwangsmaßnahme hat er nicht bereut: „Heute bin ich total glücklich.“ Denn die Entlastung wirkt. Die MoNi-Fachkraft hat beispielsweise mehr Zeit und Ruhe für Hausbesuche als er und bekommt seinem Eindruck nach auch sehr viel Anerkennung von den Patienten für ihr Kümmern. Renken selbst steht bei Hausbesuchen häufig unter großem Zeitdruck, vor allem wenn in der Praxis noch Patienten warten, berichtete er: „Man reißt sie dann ab, immer mit Blick auf die Uhr. Ich weiß, das sollte anders sein, aber das schaffe ich nicht.“ © Rie/aerzteblatt.de

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