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Medizin

Septische Granulomatose: Mehr Erfolge mit weniger Chemotherapie

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Zürich – Die septische Granulomatose, ein früher tödlicher angeborener Immundefekt, kann heute durch eine Stammzelltherapie geheilt werden. Ein internationales Forscher­team konnte jetzt die zur Konditionierung notwendige Chemotherapie so weit optimieren, dass laut dem Bericht im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)62069-3) fast alle Patienten überlebten.

Bei der septischen Granulomatose kommt es infolge unterschiedlicher Gendefekte zum Ausfall der NADPH-Oxidase, die in den neutrophilen Granulozyten zu den wichtigsten Waffen zur Abwehr von Krankheitserregern gehört. Die Folge sind chronische Infektionen, deren frustrane Abwehr zur Bildung von Granulomen in Haut, Lungen, Lymphknoten, Leber und Knochen führt.

Auch bei optimaler Antibiotikatherapie sterben jedes Jahr zwischen 2 und 5 Prozent der Patienten. Eine Heilung ist seit einiger Zeit durch eine Stammzelltherapie möglich, welche die Patienten mit einer funktionsfähigen Immunabwehr ausstattet. Zuvor muss allerdings das alte Immunsystem zerstört werden. Der Einsatz der dazu notwendigen starken Zytos­tatika stößt jedoch bei den oft noch sehr jungen Patienten schnell an die Grenzen der Verträglichkeit.

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Das Ziel der Arbeitsgruppe um Tayfun Güngör vom Kinderspital Zürich und 15 weiteren Kliniken – darunter Jena, Würzburg und München – bestand darin, eine für alle Patien­ten verträgliche ablative Chemotherapie zu finden, die sowohl das Überleben der Patienten als auch den Erfolg der Stammzellbehandlung sicher stellt.

Dies scheint jetzt gelungen zu sein. Obwohl es sich bei den Patienten um eine Negativselektion handelte – bei allen kam eine konventionelle myeloablative Chemotherapie nicht in Frage – überlebten am Ende 52 von 56 Patienten (93 Prozent). Alle Überlebenden haben ein stabiles Immunsystem, so dass Güngör davon ausgeht, dass sie die Erkrankung überwunden haben.

Bemerkenswerterweise war der Erfolg nicht neuen Medikamenten zu verdanken, sondern dem klugen und auf die Möglichkeiten der Kinder zugeschnittenen Einsatz eingeführter Mittel, zu denen neben hoch-dosiertem Fludarabin, Antithymozytenglobulin oder Alemtuzumab Busulfan gehörte. © rme/aerzteblatt.de

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