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Fachgesellschaften entwickeln neurovaskuläre Netzwerke

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Stroke-Einsatz-Mobil dpa

Berlin – Anlässlich des Weltschlaganfalltages (29. Oktober) stellten die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie, die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie und die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie heute in Berlin ein neues gemeinsames Konzept vor ­ das neurovaskuläre Netzwerk. Mit ihm soll gewährleistet werden, dass sich Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen – Neurologen, Neurochirurgen, Neuroradiologen, Gefäßchirurgen und Kardiologen – innerhalb kurzer Zeit auf die optimale Therapie beim Schlaganfall verständigen und diese einleiten können. Bisher können sich kleine Kliniken dies personell und apparativ oft nicht leisten.

„In Deutschland haben in den letzten Jahren viele, auch kleinere Krankenhäuser, Spezialstationen eingerichtet, um Patienten mit einem Schlaganfall schneller und effektiver behandeln zu können", erklärte DSG-Generalsekretär Otto Busse, der das neue Konzept federführend entwickelte.

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In diesen Stroke Units könnten die Ärzte innerhalb kurzer Zeit die für eine Lysetherapie geeigneten Patienten auswählen und behandeln. Doch seien in den letzten Jahren viele neue Therapiemöglichkeiten hinzugekommen. „Wir haben uns deshalb gemeinsam auf ein Konzept der neurovaskulären Netzwerke verständigt", erklärten die Vertreter der Fachgesellschaften.

Den Mittelpunkt des Netzwerkes bildet ein Klinikum mit einer überregionalen Stroke Unit, das über weitere Spezialabteilungen wie Neurochirurgie, Neurointensivstation, Neuro­radiologie mit Hirnkatheterlabor und Gefäßchirurgie verfügt. Es ist der Ansprechpartner für Ärzte, die auf ihren Stroke Units keine Spezialbehandlungen durchführen können. „So können neurowissenschaftliches Fachwissen gebündelt und innovative Therapien breiter angewendet werden", erläuterte Joachim Röther, Sprecher der DSG.

Mittlerweile befinden sich 16 solcher Zentren in der Pilotphase und werden kontinuierlich weiterentwickelt. Ab Mitte nächsten Jahres ist eine unabhängige Prüfung nach einem sogenannten Peer Review Verfahren vorgesehen. Auf der Basis dieser Ergebnisse wollen die vier Fachgesellschaften langfristig eine flächendeckende Einrichtung neurovaskulärer Netzwerke erreichen.

Die Fachgesellschaften stellten gleichzeitig das Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO) vor. Es handelt sich dabei um ein Rettungsfahrzeug, das als spezialisierter Notarztwagen entwickelt worden ist und mit einem CT-Scanner, einem Minilabor und einer telemedizinischen Infrastruktur ausgestattet ist. Betreut wird es von einem Team aus einem neurologischen Notarzt, einem Rettungsassistenten und einem Röntgenassistenten.

„Um gezielt Einsätze zu fahren, bei denen es vor allem um Schlaganfall-Patienten geht, werden bereits bei den eingehenden Notrufen in der Leitstelle schlaganfallspezifische Symptome abgefragt und dann das STEMO losgeschickt", erläuterte Heinrich Audebert, Ärztlicher Leiter der Neurologie, Campus Benjamin Franklin, Charité Universitätsmedizin Berlin und Leiter des STEMO-Projekts.

Ziel der STEMO-Besatzung ist es dann, bereits am Einsatzort ein CT des Gehirns und die notwendige Labordiagnostik durchzuführen. Im Falle einer akuten Hirndurch­blutungsstörung entscheidet anschließend der STEMO-Neurologe, ob eine Thrombolyse beim Patienten infrage kommt und mit der Behandlung sofort begonnen werden kann.

Erprobt wurde STEMO bereits im Rahmen einer 21-monatigen Vergleichsstudie, in die 7.000 Patienten eingeschlossen wurden.  „Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig. Wenn das STEMO alarmiert wurde, erhielten mehr Schlaganfall-Patienten eine Lysetherapie, die Behandlungsrate stieg dabei um mehr als die Hälfte von 21 Prozent auf 33 Prozent", sagte Audebert. Die Zeit vom Notruf bis zur Behandlung reduzierte sich dabei um 25 auf 52 Minuten.

Aufgrund des eindeutigen Zusammenhangs zwischen früherem Therapiebeginn und Behandlungseffektivität sei davon auszugehen, dass bei vielen Patienten die Schlaganfallfolgen – darunter vor allem auch bleibende Behinderungen – reduziert werden konnten. Weitere Studien müssten jedoch erst zeigen, ob diese mobile Form der Versorgung von Schlaganfall-Patienten auch in anderen Einsatzregionen erfolgreich eingesetzt werden kann. © ER/aerzteblatt.de

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