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Politik

Zahl der Operationen in Krankenhäusern auf Rekordhoch

Donnerstag, 24. Oktober 2013

dpa

Wiesbaden – In Deutschlands Krankenhäusern ist im vergangenen Jahr so oft operiert worden wie nie zuvor. Rund 15,7 Millionen Mal griffen die Chirurgen bei ihren stationären Patienten zum Skalpell, das sind 3,3 Prozent mehr als im Jahr 2011, teilte das Statis­tische Bundesamt in Wiesbaden heute mit. Allerdings bleibt unklar, ob der Zuwachs möglicherweise Veränderungen des Operationen- und Prozedurenschlüssels geschuldet und damit ein Dokumentationseffekt ist. Die Anzahl der Krankenhausfälle, bei denen eine Operation oder medizinische Prozedur durchgeführt wurde, stieg im selben Zeitraum nur um 1,6 Prozent auf 14,8 Millionen.

Von den 15,7 Millionen Operationen entfielen 41,9 Prozent auf die über 65-jährigen Patienten. Zu den häufigsten Operationen in dieser Altersgruppe zählten Operationen am Darm, endoskopische Operationen an den Gallengängen sowie die Implantation einer Endoprothese am Hüftgelenk.

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Arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel und an den Menisken spielten vor allem bei den 45- bis 64-Jährigen eine große Rolle. Auf den weiteren Rängen in dieser Altersgruppe folgte bei den Frauen Operationen am Mittelfußknochen oder den Zehengliedern und bei den Männern der Verschluss eines Leistenbruchs.

Bei Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren waren Operationen am häufigsten, die im Zusammenhang mit Entbindungen stehen. Bei Männern dieser Altersgruppe wurden in erster Linie operative Eingriffe an der unteren Nasenmuschel sowie arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel und an den Menisken vorgenommen.

Bei Kindern bis 14 Jahren gehörten das Einschneiden des Trommelfells zur Eröffnung der Paukenhöhle sowie die Entfernung der Rachenmandeln zu den häufigsten Operationen.   

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen geht von einer hohen Zahl medizinisch unnötiger Eingriffe aus – auch, weil es ein Überangebot an Krankenhausbetten gebe. Allein mit der Überalterung der Gesellschaft sei der Anstieg nicht zu erklären, sagte ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes in Berlin. Dem widersprach die Deutsche Krankenhausgesellschaft: Die Zahlen aus Wiesbaden seien ein Beleg für den Bedarf an Krankenhäusern. © hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 27. Oktober 2013, 12:32

Wie dumm ist das denn?

Die Sozialversicherungs-Spezialisten des Spitzenverbandes Bund (SpiBu) gehen fern jeglicher OP-Kompetenz und Erfahrung von medizinisch unnötigen, operativen Eingriffen beim Überangebot an Krankenhausbetten aus. Das ist naiver Empirismus und vergleichbar mit der Hypothese, durch ein Überangebot von Einmalwindeln könne man gegen die schwindende Zahl der Storchennester angehen, um die Geburtenrate wieder anzukurbeln?

• Die Zahl der chirurgischen Akutbetten ist seit 25 Jahren nicht zuletzt wegen reduzierter Verweil- und Liegezeiten (z.B. "fast-track"-Eingriffe) massiv verringert worden.
• Viele neue OP-Techniken (z. B. Hybrid-OP's, minimal-invasive Interventionen) sind hinzugekommen.
• Rund 300.000 Eingriffe mehr als 2011 bedeuten bei 15,7 Millionen Eingriffen in 2012 (destatis.de) einen Anteil von 1,911 Prozent.
• Dass Veränderungen der Operationen- und Prozedurenschlüssel rein numerischen Zuwachs bedeuten bzw. nur Dokumentationseffekte sind, will ich gar nicht diskutieren.
• Der SpiBu hatte geradezu spitzbübisch die Einführung von DRG-Finanzierungen (diagnosis-related groups) für Operationen gefordert. Da ein-zeitig mögliche, doppelseitige Operationen (z. B. Leistenhernien, Ohr-Eingriffe, gefäßchirurgische Interventionen bei p-AVK usw.) nicht höher vergütet werden als einseitige, führt man viele Eingriffe nur noch zwei-zeitig mit erneuter Krankenhauseinweisung durch.

Sonderentgelte für große, aufwändige Maximalchirurgie sind hiervon natürlich ausgenommen. Dass aber ein Steigerungsanteil von nur 1,911 Prozent n i c h t mit der Überalterung der Gesellschaft und mit erhöhten Ansprüchen an Lebensqualität und Teilhabe zu erklären sei, lässt nur darauf schließen, dass der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes in Berlin zu jung und zu schwach zum Kopfrechnen ist.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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