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Medizin

British Medical Journal lehnt die Veröffentlichung von Studien der Tabakindustrie ab

Freitag, 25. Oktober 2013

dpa

London – Das British Medical Journal (BMJ) wird von der Tabakindustrie voll- oder teilfinanzierte Studien ab sofort nicht mehr in seiner Haupt- und den Spezialausgaben Thorax, Heart und BMJ Open veröffentlichen. Das erklärten die Chefredakteurin Fiona Godlee und die Mitherausgeber des BMJ in einem Editorial (http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f5193).

Mit der konsequenten Ablehnung von Studien, welche durch die Tabakindustrie finanziert werden, folgt das BMJ dem Beispiel anderer renommierter Fachzeitschriften wie PLOS Medicine und allen Journalen der American Thoracic Society.

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Das BMJ hatte lange einen anderen Standpunkt vertreten. 2003 verteidigte zum Beispiel der damalige Herausgeber des BMJ und Vorsitzender der BMJ Group, die Nicht-Veröffentlichung solcher Studien schränke die wissenschaftliche Diskussion ein. Laut dem BMJ haben sich aber in den Jahren Hinweise zu der Befangenheit solcher Studien­er­gebnisse erhärtet. Die Herausgeber des BMJ hätten ihre Meinung daher geändert.

Kritiker dieser Beschränkung verweisen darauf, dass die Leser der Studien sich ein eigenes Bild von deren Qualität machen könnten, solange die Geldgeber genannt würden. Die Redakteure des BMJ halten dem entgegen, dass die Ergebnisse der Studie und deren Interpretation durch die Interessen der Geldgeber nachweislich beeinflusst werde. Ein Peer-Review solcher Studien könne nicht mit letzter Sicherheit alle methodischen Mängel und irreführenden Analysen aufdecken.

Interessen von medizinischen Journalen und Tabakindustrie unvereinbar
Die Aufgabe von medizinischen Journalen sei es zudem, durch die Veröffentlichung von Studien die Krankheitslast in der Bevölkerung zu verringern. Die Tabakindustrie hingegen wolle ihr Produkt bewerben. Diese gegensätzlichen Interessen halten die Herausgeber des BMJ für prinzipiell unvereinbar.

Die öffentliche und wissenschaftliche Vermarktung von Tabakersatzprodukten wie der E-Zigarette lenkt nach Meinung der BMJ-Herausgeber davon ab, dass große Tabak­konzerne die Konsumenten an ihr eigentliches Produkt heran führen, nämlich an Zigaretten.

Aus der Analyse interner Dokumente der Tabakindustrie sei bekannt, dass viele Konzerne jahrelang Studien unterstützt hätten, die Zweifel an den Gefahren des Rauchens streuen sollten. Noch in diesem Sommer seien weitere Dokumente eines Tabakkonzerns publik gemacht worden, welche Pläne für eine Kampagne gegen die Vergrößerung von Warnschildern auf Zigarettenpackungen enthielt.

Im Schlusswort ihrer Erklärungen hielten die Herausgeber des BMJ fest, dass Studien mit finanzieller Förderung von Tabakkonzernen interessengeleitet sind. Mit ihrer Weigerung entsprechende Studienergebnisse zu veröffentlichen, möchten die Herausgeber eine Instrumentalisierung des BMJ als Fürsprecher der Tabakindustrie sicher ausschließen. © rme/aerzteblatt.de

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