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Medizin

Schlaganfall: Ultraschall-„Helm“ soll Thrombolyse unterstützen

Freitag, 25. Oktober 2013

Houston– Eine rahmenartige Konstruktion, die Patienten auf dem Kopf gesetzt wird und das Gehirn über mehrere Stunden einem kontinuierlichen Ultraschall aussetzt, soll der Sonothrombolyse, einer umstrittenen Therapie des Schlaganfalls, zum Durchbruch verhelfen. Nach dem günstigen Ausgang einer Phase-II-Studie in Stroke (2013; doi: 10.1161/STROKEAHA.113.002713), wurde jetzt eine Phase-III-Studie begonnen.

Die Sonothrombolyse ist eine Zufallsentdeckung. Das Team um Andrei Alexandrov vom University of Texas Health Science Center in Houston hatte in einer Studie eigentlich nur mittels transkranieller Dopplersonographie beobachten wollen, wie sich die Thromben in den Hirnarterien unter der Wirkung einer Fibrinolyse langsam auflösen.

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Dabei fiel auf, dass die Schlaganfalltherapie unter der mehrständigen Ultraschall­beobachtung ungewöhnlich erfolgreich war. Eine 2004 veröffentlichte erste Studie bestätigte den Verdacht, dass dies kein Zufall war, sondern dass eine herkömmliche diagnostische Ultraschallsonde mit einer Frequenz von 2 Megahertz bei längerer Untersuchung offenbar genügend Energie auf den Thrombus überträgt, um dessen Auflösung zu beschleunigen (2000; 31: 610-4).

Alexandrov organisierte daraufhin eine randomisierte Studie an 126 Patienten. Die CLOTBUST-Studie zeigte, dass eine zweistündige Beschallung die Chance auf eine komplette Rekanalisierung oder eine deutliche klinische Verbesserung erhöht (49 versus 30 Prozent) und die Patienten drei Monate später häufiger ein gutes Ergebnis erzielen (42 versus 29 Prozent; NEJM 2004; 351: 2170-8).

Es folgten weitere klinische Studien anderer Autoren, und im letzten Jahr bescheinigte eine Meta-Analyse der Sonothrombolyse, dass sie die Rekanalisierung signifikant verbessern kann. Beim Endpunkt Mortalität oder schwere Behinderungen war der Vorteil allerdings nicht signifikant (Cochrane Database Syst Rev. 2012; 10: CD008348). Die Sonothrombolyse hat aufgrund der positiven Ergebnisse auch in Deutschland zahlreiche Anhänger – so bei Neurologen der Universitäten in Lübeck oder Regensburg. Die Anwendung ist allerdings eine Angelegenheit für Enthusiasten, da die stundenlange Applikation mit konventionellen Ultraschallsonden sehr mühsam ist.

Die US-Firma Cerevast aus Redmond im US-Staat Washington hat deshalb mit Unterstützung der National Instituts of Health einen Ultraschall-Helm („headframe“) entwickelt, der die Ultraschallwellen „handfrei“, das heißt ohne Anwesenheit eines Untersuchers auf das Gehirn richtet. Das rahmenartige Gerät, das nach Auskunft des Herstellers leicht auf dem Kopf des Patienten platziert werden kann, enthält insgesamt 18 Ultraschallsonden, die durch die beiden temporalen und das okzipitale Schädelfenster gepulste Ultraschallwellen in der Frequenz von 2 Megahertz abgeben.

In einer ersten Pilotstudie wurde „ClotBust ER“ an 20 Patienten erprobt, bei denen Verschlüsse in der Art. cerebri media (14 Patienten), der terminalen Art. carotis interna (3 Patienten) oder der Art. vertebralis (3 Patienten) einen Schlaganfall ausgelöst hatten. Im Anschluss an die Thrombolyse mit t-PA, die durchschnittlich 120 Minuten nach Symptombeginn erfolgte, erhielten alle Patienten eine zweistündige Sonothrombolyse.

Wie das Team um Andrew Barreto von University of Texas Health Science Center in Houston berichtet, vertrugen alle Patienten die zweistündige Therapie gut. In keinem Fall wurden Hirnblutungen oder andere Komplikationen beobachtet – wobei die Sicherheit in einer Pilotstudie ohne Vergleichsgruppe natürlich nicht abschließend beurteilt werden kann. Ebenso unsicher wie vielversprechend sind die Daten zur Wirksamkeit: Bei 8 Patienten (40 Prozent) wurde eine komplette und bei 2 Patienten (10 Prozent) eine partielle Thrombolyse erzielt. Insgesamt 13 Patienten (65 Prozent) konnten entweder nachhause oder in eine Reha-Einrichtung entlassen werden.

Der Hersteller hat aufgrund der Ergebnisse eine Phase-III-Studie (CLOTBUST-ER) begonnen, in der 830 Schlaganfallpatienten auf eine konventionelle Thrombolyse oder eine Sonothrombolyse randomisiert werden. Erste Ergebnisse werden für den Februar 2015 erwartet. © rme/aerzteblatt.de

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