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„Die Ausstellung soll ein Ort der Emotion und der Information sein.“

Montag, 28. Oktober 2013

Berlin – Das  Berliner Medizinhistorische Museum der Charité zeigt anhand von acht gut dokumentierten Beispielen, wie Patienten im 17. bis 19. Jahrhundert ambulant medizinisch diagnostiziert und behandelt wurden. Vorgestellt werden sieben Ärzte und ein Laienheiler. Ihre Praxisjournale vermitteln aus der Sicht des Arztes ein Bild vom Umgang mit dem Patienten und vom Wissensstand der Zeit.

5 Fragen an… Professor Dr. med. Thomas Schnalke, Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums

DÄ: Können Sie Ihre Ausstellung zu historischen Arztpraxen in einem Satz charakterisieren?
Schnalke: In zwei. Im Zentrum von „Praxiswelten“ steht die Begegnung von Arzt und Patient in der ambulanten Praxis. Und: Wir nehmen den noch laufenden Forschungsprozess mit in die Ausstellung.

DÄ: Wie das?
Schnalke: Wir stützen uns auf  Aufzeichnungen von acht Praxen aus der Zeit zwischen Mitte des 17. und Ende des 19. Jahrhunderts. Das sind umfangreiche Konvolute. Ein Arzt aus der Gegend von Bern hat zum Beispiel 55 Bände hinterlassen. Die Praxisjournale werden zurzeit von acht Forschungsinstituten medizinhistorisch bearbeitet. Wir greifen eine Fragestellung heraus und veranschaulichen sie. Und wir präsentieren immer einen konkreten Fall. Mit Texten, zeitgenössischen Bildern und Ausstellungstücken. Die Ausstellung soll ein Ort der Emotion und der Information sein.

DÄ: Konzentriert auf die Arzt-Patient-Beziehung?
Schnalke: Ja. Aus den Praxisaufschrieben spricht die unmittelbare Begegnung mit dem Patienten. Gesehen aus der ärztlichen Brille und vor dem Hintergrund der damaligen Medizin. Die Medizin ist ja immer eingewoben in die Kultur. Wir versuchen nun, die Zeit zu grundieren und das ärztliche Handeln vor diesem Hintergrund sichtbar zu machen.

DÄ: Gibt es ein Lieblingsstück in Ihrer Ausstellung?
Schnalke: Vielleicht die  Totenkrone eines Kindes. Denn es sind nicht nur Erfolgsgeschichten, mit denen die Ärzte zu tun hatten; in den Praxen wurde auch viel gestorben. Eine Totenkrone wurde verstorbenen Kindern auf den Sarg gelegt. Sie erinnert an eine Hochzeitskrone, die diese Kinder nie tragen konnten. Die Totenkrone symbolisiert stattdessen die Vermählung mit Gott. Denn der Glaube ist damals unwidersprochen. Für Tod und Sterben wird nicht der Arzt verantwortlich gemacht. Das liegt in Gottes Hand. Da treffen sich Arzt, Patient und Angehörige

DÄ: Eine Frage noch zum Charité-Museum. Stand das nicht mal zur Disposition?
Schnalke: Es gab Zeiten mit heftigem Sparzwang. Doch die Charité bekennt sich heute zu ihrem Museum. Man sieht, dass man die Gegenwart nicht ohne die Vergangenheit verstehen kann. Außerdem macht sich das Museum gut als Schaufenster der Charité. Es ist weltweit geachtet und zählt rund 80.000 Besucher jährlich. © NJ/aerzteblatt.de

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