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Medizin

Topiramat mindert Kokainabhängigkeit

Montag, 28. Oktober 2013

Baltimore – Das Antiepileptikum Topiramat, das bereits erfolgreich beim Alkoholentzug eingesetzt wird, hat in einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Psychiatry (2013; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2013.2295) Kokainsüchtigen zu mehr drogenfreien Tagen verholfen. Es ist bisher das erste Mittel, das in dieser Indikation erfolgreich war.

Auf eine mögliche Wirkung des 1998 als Antiepileptikum eingeführten Topiramat (das seit 2005 auch zur Migräneprophylaxe zugelassen ist) bei der Substanzabhängigkeit hatten zuerst tierexperimentelle Studien hingewiesen. Dabei scheint sich eine Verstärkung der Wirkung des inhibitorischen Neurotransmitters GABA und die Hemmung von AMPA- und Kainate-Rezeptoren als günstig zu erweisen. Sie sollen im mesokortikolimbischen System die Freisetzung von Dopamin hemmen, die für die Suchtwirkung von Drogen verant­wortlich gemacht wird.

In einer früheren Studie (JAMA 2007; 298: 1641-51) hatte Bankole Johnson zeigen können, dass Topiramat Alkoholkranken hilft, den Alkoholkonsum einzuschränken (ohne dabei streng abstinent leben zu müssen). Jetzt kann der Psychiater eine ähnliche Wirkung auch bei Kokainabhängigen dokumentieren. An der Studie nahmen 142 Kokainkonsumenten teil, die an einer Verminderung ihres Drogenkonsums interessiert waren und an einer kognitiven Verhaltenstherapie teilnahmen. Jeweils die Hälfte der Probanden wurde begleitend mit Placebo oder mit Topiramat behandelt, das über sechs Wochen von 50 auf 300 mg/die hochdosiert wurde.

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In den folgenden 6 Wochen half Topiramat den Patienten, ihren Drogenkonsum einzuschränken – wobei wie in der Alkoholstudie keine strenge Abstinenz verlangt wurde. Die Konsumenten steigerten ihre drogenfreien Tage von 5,3 auf 13,3 Prozent. Auch der Anteil der Teilnehmer mit negativem Drogennachweis im Urin stieg von 5,8 auf 16,6 Prozent. Die Studienteilnehmer berichteten über eine Abnahme des „Cravings“ und über eine Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Trotz der vergleichsweise hohen Dosierung – bei Epilepsiepatienten wird eine Tages­dosis von 200 mg, bei Migränepatienten von 100 mg angestrebt – haben die meisten Patienten das Mittel vertragen. Neben einer Gewichtsabnahme kam es aber häufig zu Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Parästhesien, Geschmacksstörungen und Diarrhoe, was dazu beigetragen haben mag, dass die Probanden nur 58 Prozent der Tabletten einnahmen (aber auch unter Placebo war die Compliance nicht besser).

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg dürfte deshalb sein, dass die Patienten ein großes Interesse haben, ihren Drogenkonsum einzuschränken und bereit sind, dafür Nebenwirkungen zu ertragen. © rme/aerzteblatt.de

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