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Medizin

Neuer Tuber­kulose-Schnelltest zeigt Schwächen

Montag, 28. Oktober 2013

Mycobacterium tuberculosis /dpa

Kapstadt – Der von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfohlene Tuberkulose-Schnelltest Xpert MTB/RIF hat in einer randomisierten Studie die Erwartungen nicht erfüllt. Der Gentest, der auch eine Rifampicin-Resistenz erkennt, konnte den Behand­lungs­beginn zwar beschleunigen, laut der Studie im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)62038-3) hatten die Ergebnisse langfristig keine positive Auswirkung auf die Morbidität der Patienten.

Der von der kalifornischen Firma Cepheid entwickelte Schnelltest Xpert MTB/RIF basiert auf einer automatisierten Echtzeit-Polymerasekettenreaktion (real-time PCR). Er kann von angelerntem Hilfspersonal durchgeführt werden und liefert innerhalb von zwei Stunden ein Ergebnis.

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Neben dem Nachweis von M. tuberculosis-spezifischer DNA werden auch für Rifampicin­resistenzen spezifische Gene erkannt. Der Test erzielte in einer Studie in Peru, Aser­baidschan, Südafrika und Indien eine Sensitivität von 98,2 Prozent bei mikroskopisch positiven Patienten und von 72,5 Prozent bei mikroskopisch negativen Patienten (NEJM 2010; 363: 1005-15), weshalb die WHO im Dezember 2011 beschloss, für 25,9 Millionen US-Dollar bis 2015 insgesamt 1,4 Millionen Tests zu ordern, die in 21 Ländern in Asien und Afrika zum Einsatz kommen sollen.

Der Test soll dort den Anteil der frühzeitig behandelten Patienten erhöhen und vor allem bei einer Rifampicin-Resistenz die gezielte Auswahl von Medikamenten ermöglichen. Bislang ging man davon aus, dass etwa die Hälfte aller Infektionen (mit Mikroskopie und Röntgenthorax) zunächst nicht erkannt werden und viele Patienten nach dem Eintreffen der mikrobiologischen Ergebnisse nicht mehr greifbar sind. Die Unterschiede waren dann in der von der EU finanzierten TB-NEAT dann doch nicht so groß.

An der Studie nahmen Patienten aus Südafrika, Simbabwe, Sambia und Tansania mit klinischem Verdacht auf eine Tuberkulose teil. Das Team um Keertan Dheda vom Groote Schuur Hospital in Kapstadt randomisierte 758 Patienten (davon 182 mit positiver Kultur) auf eine konventionelle mikroskopische Sputumuntersuchung und 744 Patienten auf den genetischen Nachweis mit dem Xpert MTB/RIF (davon 185 mit positiver Kultur).

Wie erwartet war die Sensitivität von Xpert MTB/RIF höher als bei einer mikroskopischen Sputumdiagnose (83 versus 50 Prozent aller Patienten mit positiver Kultur). Und es konnte häufiger noch am gleichen Tag mit der Therapie begonnen werden (23 versus 15 Prozent). Der Anteil der Drop-out-Patienten, die trotz einer Diagnose nicht behandelt wurde, konnte sogar halbiert werden (8 versus 15 Prozent).

Dennoch waren nach 56 Tagen in beiden Studienarmen gleich viele Patienten unter einer Behandlung. Unter den Patienten mit einer positiven Bakterienkultur waren es 43 Prozent nach Xpert MTB/RIF-Diagnostik und 42 Prozent nach konventioneller Diagnostik. Dies lag nach Auskunft von Dheda ganz einfach daran, dass die Ärzte wussten, dass die mikroskopische Diagnostik unsicher ist.

Viele Patienten wurden deshalb trotz negativem Sputumtest empirisch mit Tuberku­lostatika behandelt. Dass die Entscheidung zur Therapie durch die diagnostische Unsicherheit verzögert wurde, wirkte sich nicht negativ auf die Morbidität der Patienten aus, wie die Untersuchungen der Patienten 2 und 6 Monate nach der Randomisierung zeigten.

Vor diesem Hintergrund stellt sich der Editorialist Christian Wejse von der Universität Aarhus die Sinnfrage. Gerade in ressourcenarmen Ländern Afrikas könnten die etwa 10 US-Dollar, die ein Test kostet, möglicherweise besser in andere Dinge investiert werden.

Eine teure Ausrüstung in Gesundheitszentren zu stellen, bei denen der Strom ausfallen kann oder in denen das Personal schlecht ausgebildet und bezahlt ist, könnte eine heikle Angelegenheit sein, schreibt Wejse: Er schlägt vor, den Test zunächst in Regionen mit einem hohen Anteil an Multiresistenzen einzusetzen. Die Studie selbst macht keine Angaben zu dem Einfluss des Xpert MTB/RIF-Tests auf die frühe Resistenzdiagnostik. © rme/aerzteblatt.de

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