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Medizin

Armut kann Hirnentwicklung behindern

Dienstag, 29. Oktober 2013

Eine MRT-Aufnahme zeigt den Hippocampus (pink) im Gehirn eines Kindes. /Washington University

St.Louis – Kinder, die in relativer Armut aufwachsen, haben im Grundschalter weniger weiße Substanz in Regionen des Großhirns, die emotionale und intellektuelle Fähig­keiten bestimmen. Verantwortlich dafür ist laut der Studie in JAMA Pediatrics (2013 doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.3139) neben fehlender Bildung der Erziehungsstil der Eltern und Stressereignisse im Lebenslauf der Kinder.

Dass Armut und Vernachlässigung die kindliche Entwicklung stören, konnte bereits am Schicksal rumänischer Waisenkinder gezeigt werden, die nach dem Ende der Ceaucescu-Herrschaft von westlichen Psychiatern untersucht wurden. Neben Aufmerk­samkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen litten die Kinder unter emotionalen Bindungs­störungen. Viele hatten eine verminderte Intelligenz.

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Ähnliche Effekte, wenn auch sicherlich in geringerem Maße lassen sich in ärmeren Stadtvierteln von US-Metropolen wie St. Louis nachweisen. Dort wird seit Jahren eine Gruppe von zumeist verhaltensauffälligen Kindern in der Preschool Depression Study beobachtet. Eltern und Kinder werden jährlich psychiatrisch untersucht.

Bei einer der ersten Untersuchungen wurde auch der Erziehungsstil der Eltern beurteilt. Dem damals zwischen 4 und 7 Jahre alten Kind wurde im Wartezimmer ein Geschenk überreicht, das es aber erst öffnen durfte, wenn die Mutter einige Fragebögen ausgefüllt hatte. Die unvermeidlichen Dialoge zwischen Mutter und Kind wurden als supportives (Lob des Kindes für die Geduld) oder als feindselig (z.B. Androhung von Strafen) bewertet.

Im Alter von 8 bis 12 Jahren wurde bei allen Kindern eine Kernspintomographie des Gehirns durchgeführt. Das Team um Joan Luby von der Washington University School of Medicine in St. Louis stellt fest, dass Kinder aus ärmeren Familien (niedriges Verhältnis von Einkommen zum Bedarf gemessen an der Familiengröße) in zwei Hirnregionen Entwicklungsstörungen aufwiesen: Zum einen waren die Corpora amygdaloideum, auch Mandelkerne genannt, eine Kernstruktur der emotionalen Gesundheit, kleiner als bei Kindern finanziell nicht benachteiligter Familien. Zum zweiten stellte Luby eine vermin­derte Entwicklung der beiden Hippocampi fest, die Lernfähigkeit und Gedächtnis beeinflussen.

Der Geldmangel war allerdings nicht der einzige Faktor, der für die verminderte Entwicklung verantwortlich war. Luby konnte auch einen Einfluss des Bildungsniveaus der Eltern, eines ungünstigen Erziehungsstils sowie von Stressereignissen in der Biographie der Kinder ermitteln. Für Luby steht deshalb fest, dass sich die Situation der Kinder nur durch anspruchsvolle Interventionen beseitigen lassen, die Eltern nicht nur finanziell, sondern auch bei der Erziehung unterstützen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #104249
Senbuddy
am Montag, 25. November 2013, 13:05

Völlig richtig...

...was Chinamed schreibt: Das Problem ist der oben verwendete Begriff "relative Armut".

Nach dem "relativen Armutsbegriff" werden nämlich immer die, die einfach nur um einen bestimmten Prozentsatz "unter dem Durchschnitt" verdienen, als "arm" definiert. Was natürlich völliger Unsinn ist. Denn wie hoch der Durchschnitt ist und wie hoch das tatsächliche Einkommen der darunter liegenden ist, wird damit ja nicht gesagt. Also auch nicht, ob diese Bevölkerungsteile dann tatsächlich überhaupt arm sind. Wenn alle in der Bevölkerung des betrachteten Landes oder der Region nämlich € 500.000,- im Jahr verdienen und die "Armen" dann nur € 250.000,-, sind sie "relativ" gesehen "arm". Aber absolut natürlich nicht.

Leider wird der Begriff "relative Armut" bei diversen Studien (allen voran bei denen des DIW) immer wieder fahrlässig oder auch gezielt mißverständlich eingesetzt.

Er sollte eigentlich am besten für solche Studien abgeschafft werden. Und es sollte vielmehr nur "absolute Armut" betrachtet werden. Die dann auch tatsächlich glaubhaften Einfluss bei Eltern und Kindern auf Bildung, Stress, Erziehung und vieles andere mehr haben kann.

Grundsätzlich sollte aber jeder vorsichtig sein. Immer wenn von "Armut" die Rede ist, sollte man die Sinnhaftigkeit der jeweiligen Studie anhand des verwendeten Armutsbegriffs überprüfen.

Viele Grüße
S.
Avatar #645735
chinamed
am Samstag, 23. November 2013, 10:52

Nichts gegen Forschung,

das was hier vorgestellt wird, hat jedoch mehr mit Sozialromantik zu tun, als mit Forschung. Armut ist relativ definiert, wer relativ ärmer ist, als die Umgebung erzieht seine Kinder nicht deshalb bereits krankmachend. Erst wenn das Kind vernachlässig wird, als Erwerbsquelle für Kindergeld betrachtet wird ohne ihm die erforderliche Liebe zukommen zu lassen, in der Steigerung das Kind misshandelt usw. wird das Kind schädigen. Dazu existieren bereits ausreichend Studien, die das beweisen. Die hier vorgestellte Studie macht relative Armut zum Auslöser für kindliche Schäden. Die Schlussfolgerung daraus wäre, alle bekommen das gleiche Geld und schon sind die Probleme gelöst. Herr Ulbricht und Honecker lassen schön grüßen. Nur wer unter so einem System leiden musste, kann derartig abartige Aussagen nicht mehr lustig finden. Armut und Krankheit haben nichts miteinander zu tun. Ein Armer hat in Europa kein Risiko zu hungern und dadurch krank zu werden, aber das Risiko arbeiten geschickt zu werden.
LNS

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