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Medizin

Schwangerschaft könnte das Hepatitis-C-Virus verändern

Dienstag, 29. Oktober 2013

Hepatitis-C-Virus /Gleiberg

Ohio – Anpassungen des Immunsystems während einer Schwangerschaft könnten Hepatitis-C-Viren zu einer besonders schnell replizierbaren Variante evolvieren lassen. Die Forscher um Jonathan Honegger am Research Institute at Nationwide Children's Hospital beschrieben anhand von zwei Fallbeispielen in Natur Medicine Veränderungen der Hepatitis-Viren während der Schwangerschaft (http://dx.doi.org/10.1038/nm.3351).

Weltweit ist etwa ein Prozent aller Schwangeren mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Das Virus wird parenteral übertragen. Die Geburt stellt für das Neugeborene eine Infektions­quelle dar. Nach Angaben der Wissenschaftler geschieht solch eine Infektion in drei bis fünf Prozent der Fälle. Oft chronifiziert sich die Virusinfektion und kann im weiteren Verlauf zu einer Leberzirrhose führen.

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Die Chronifizierung der Infektion wird häufig durch Mutationen des Virusgenoms gefördert, welche das Virus vor einer Abtötung durch zytotoxische T-Lymphozyten schützt. Dieser Schutz vor dem Immunsystem geht jedoch auf Kosten der Replikationsgeschwindigkeit des Virus.

Die Wissenschaftler untersuchten die Viren von zwei Hepatitis-C positiven Müttern vor, während und nach der Schwangerschaft. Bei beiden Müttern konnten die Wissen­schaftler erwartungsgemäß einen Anstieg des Virustiters während der Schwangerschaft beobachten, die nach drei Monaten um den Faktor 1.000 abfielen. Beide Schwangere waren innerhalb eines Beobachtungszeitraums von fünf Jahren zwei Mal schwanger.

Die Analyse des Virusgenoms ergab einige Auffälligkeiten. Die speziellen Mutationen, die das Virus vor den zytotoxischen T-Lymphozyten schützten, verschwanden während der Schwangerschaften bei beiden Frauen. Das so veränderte Virus konnte sich schneller replizieren.

Den Grund für den Verlust dieser Mutationen erklären sich die Wissenschaftler mit der Reaktion des Immunsystems auf die Schwangerschaft. Die Funktion der T-Lymphozyten werde so moduliert, dass fetales Gewebe nicht abgestoßen werde. Diese Anpassung der Immunreaktion könnte auch das Virus vor den zytotoxischen T-Lymphozyten schützen. Das Virus verliere dann seine Schutzmutation und gehe wieder in eine schnell replizierbare Form über.

Da Mutationen, welche das Virus vor dem Immunsystem schützen, für gewöhnlich stabil bleiben, waren die Anpassungen eine Neuigkeit für die Arbeitsgruppe. Postpartum erlangte das Virus bei beiden Frauen die Mutationen zurück, welche es vor den zytotoxischen T-Lymphozyten schützte.

Bisher ist sich die Arbeitsgruppe nicht sicher, ob die schnell replizierbare Variante des Virus auch ein erhöhtes Risiko einer Chronifizierung für den infizierten Säugling in sich birgt. Sie gehen jedoch davon aus, dass ohne eine starke Immunantwort des Neuge­borenen die Chronifizierung wahrscheinlicher wird. Die Arbeitsgruppe möchte ihre Beobachtung nun in einer größeren Studienkohorte weiter untersuchen. © hil/aerzteblatt.de

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