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Medizin

Dopamin-Antagonist vermindert Spielsucht im Ratten-Kasino

Mittwoch, 30. Oktober 2013

dpa

Vancouver – Ein experimenteller Antagonist des Dopamin4-Rezeptors im Belohnungs­system des Gehirns könnte zum ersten wirksamen Medikament gegen die Spielsucht werden. Bei Ratten hat er in einer Studie in Biological Psychiatry (2013; doi: 10.1016/j.biopsych.2013.08.026) jedenfalls eine Eigenschaft des pathologischen Spielens gemildert.

Als eine Triebfeder der Spielsucht gelten die „near miss“-Ergebnisse, die deshalb in vielen Glücksspielsautomaten überzufällig häufig auftreten. Es sind die Situationen, in denen die Gewinnkombination nur sehr knapp verfehlt wird. Sie stellen einen starken Motivator dar, es erneut zu versuchen, was bei anfälligen Menschen schließlich zum zwanghaften Spielen führt. Auch Ratten neigen zur Spielsucht, wie Psychologen der Universität von British Columbia in Calgary bereits in früheren tierexperimentellen Studien zeigen konnten.

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Die Forscher versahen die Käfige ihrer Versuchstiere mit einem primitiven, aber wirk­samen Glücksspielautomaten. In dem Gerät blinkten nacheinander drei Lampen auf, und wie in einem „einarmigen Banditen“ amerikanischer Casinos konnten die Tiere durch Betätigung eines „Hebels“ (mit der Nasenspitze) das Blinken stoppen.

Das Ergebnis konnte ein dauerndes Leuchten oder Erlöschen der Lampe sein. Bei einem „Dreier“ winkten als Gewinn zehn Zuckerstückchen, die auf Tastendruck erhältlich waren. Die Spielernaturen unter den Ratten drückten die Taste gerne auch bei einem „near miss“, obwohl dies mit einer Spielpause von zehn Sekunden bestraft wurde. Dieses Verhalten verstärkt sich bei einigen Tieren im Verlauf der Zeit.

Die Near-Miss-Rate war Endpunkt einer Therapiestudie, in der die Tiere mit einem Wirk­stoff behandelt wurden, der den Dopamin4-Rezeptor inhibiert. Eine Beteiligung von Dopamin, dem zentralen Neurotransmitter des Belohnungssystems, wird seit längerem vermutet. Ein Hinweis ist beispielsweise die Spielsucht, der manchmal Parkinson-Patien­ten unter der Therapie mit einem Dopamin-Agonisten verfallen. Bei Versuchstieren kann die Spielsucht auch durch den experimentellen Dopamin-Agonisten Quinpirol ausgelöst werden.

Das Team um Catharine Winstanley hat deshalb verschiedene Dopamin-Antagonisten an ihren Laborratten getestet. Sie litten bereits seit mehreren Monaten an einer Spielsucht, die am Ende noch durch die Gabe von Quinpirol (einem D2/3-Agonist) verstärkt wurde. Während ein D2-Antagonist und ein D3-Antagonist (und auch ein D3-Agonist) bei den spielsüchtigen Ratten keine Wirkung zeigten, konnte der D4-Antagonist L-745,870 die Auswirkungen von Quinpirol abschwächen.

L-745,870 ist eine vorklinisch durchgetestete Substanz, die in früheren klinischen Studien bei Psychosen untersucht wurde. Als Mittel gegen die Schizophrenie erwies sie sich jedoch als wirkungslos. Ob sie gegen eine Spielsucht hilft, könnte schon bald in klinischen Studien untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #528537
norwod
am Donnerstag, 31. Oktober 2013, 15:36

Man würde sich wünschen...

...dass zumindest das ärztliche Standesorgan den Unterschied zwischen Psychologie und Psychiatrie kennt - das Journal heisst "Biological Psychiatry"...
Ansonsten, danke für die Meldung.

Das stimmt natürlich! Redaktion DÄ
LNS

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