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Ausland

Niederlande: Angeklagter Arzt zeigt keine Reue

Sonntag, 3. November 2013

Ernst Jansen dpa

Zwolle – Der niederländische Skandalarzt Ernst Jansen, der auch in Heilbronn gearbeitet hat, hat den Vorwurf zurückgewiesen, Patienten reihenweise falsche Diagnosen gestellt zu haben. Er habe sich nichts vorzuwerfen, sagte der Neurologe am Freitag in einem Disziplinarverfahren in Zwolle. Der 68-Jährige, den Medien „Dr. Frankenstein“ genannt haben, soll bis 2003 bei Dutzenden Patienten unheilbare Krankheiten wie Alzheimer und multiple Sklerose festgestellt haben. Doch in vielen Fällen stimmten die Diagnosen nicht. Bis Januar 2013 arbeitete der Niederländer auch an deutschen Kliniken.

Jansen äußerte sich am Freitag zum ersten Mal öffentlich zu der Affäre, die in den Niederlanden großes Entsetzen ausgelöst hatte. Ab Montag beginnt gegen ihn auch der Strafprozess.

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Die fünf Fälle, die das Disziplinargericht verhandelte, stünden für viele Dutzend, sagte der Anwalt der Kläger, Yme Drost. Den Menschen sei „unsäglich viel Leid angetan“ worden. Die Diagnose der unheilbaren Krankheit habe sie psychisch, physisch und auch finanziell geschädigt. „Einige haben ihr Haus verkauft, umbauen lassen oder Selbstmord erwogen.“

Doch der umstrittene Arzt beteuerte, er habe nur das Beste gewollt. „Im Nachhinein bedaure ich nichts.“ Wenn seine Patienten gelitten hätten, tue ihm das aber leid. Sehr offen sprach er vor den Richtern von einer persönlichen Krise Ende der 90er Jahre. „Ich war süchtig nach Medikamenten, aber ich funktionierte redlich“, sagte der Niederländer, der wieder unter seinem ursprünglichen Namen Jansen auftrat. Jahrelang hatte er auch den Namen seiner Mutter - Steur - getragen, was in den Niederlanden zulässig ist.

Das Disziplinargericht will zum Jahresende über den Fall entscheiden. Es kann ihm die ärztliche Zulassung entziehen. Doch Jansen droht auch eine Gefängnisstrafe von bis zu zwölf Jahren. Ab Montag muss er sich im wohl größten medizinischen Strafprozess in der Geschichte des Landes für insgesamt 21 Anklagepunkte verantworten.

Nach Bekanntwerden der Fälle in Deutschland hatte die Deutsche Stiftung Patienten­schutz Strafanzeigen gestellt. Dabei ging es in Heilbronn um Abrechnungsmethoden, in Worms um die Verantwortung von Klinikträgern und Ärztevermittlern. Die baden-württembergischen Behörden haben die Ermittlungen mangels hinreichenden Tatver­dachts eingestellt. „So kann man keinen juristischen Druck aufbauen“, sagte Stiftungs­vorstand Eugen Brysch am Freitag. In Rheinland-Pfalz ermittelt die Staats­anwaltschaft nach seinen Angaben noch.

Brysch fordert aber weitergehende juristische Maßnahmen hierzulande: „Es reicht nicht, nur in die Niederlande zu schauen“, sagte er und erneuerte unter anderem seine Forderung an die Politik, Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Patientenbelange einzuführen. © dpa/aerzteblatt.de

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