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Politik

Ersatzkassen kritisieren Anstieg bei kathetergestützten Aortenklappen­implantationen

Montag, 4. November 2013

Berlin – Der Verband der Ersatzkassen (vdek) moniert die Zunahme kathetergestützter Aortenklappenimplantationen (TAVI) und vermutet Qualitätsmängel. Hintergrund ist ein Anstieg bei den TAVI-Fallzahlen zwischen 2008 und 2012 von 529 auf fast 10.000 jährlich, so die Zahlen des Qualitätsreportes des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA). Demgegenüber nahmen herzchirurgische Aortenklappenersatz-Operationen nur geringfügig ab – von 11.205 in 2008 auf 10.324 in 2012.

Die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner bezeichnet den Anstieg als „medizinisch nicht zu erklären“. „Wir können mit der TAVI seit 2008 Patienten behandeln, denen vorher keine Therapieoption zur Verfügung stand“, erläutert dagegen der Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Gießen, Christian Hamm, die Position der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie Herz- und Kreislaufforschung eV (DGK) gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Die TAVI ist ein minimalinvasiver Eingriff bei schwerer Aortenklappenverengung. Sie ist eine Behandlungsoption für Patienten, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Vorer­krankungen für einen offenen herzchirurgischen Eingriff nicht in Frage kommen. Der vdek hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) eine Qualitätsvereinbarung abgestimmt, die für die TAVI eine interdisziplinäre Indikationsstellung von Kardiologen und Herzchirurgen vorsieht.

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Außerdem sollen weitere strukturelle Anforderungen erfüllt sein. Wichtig sei eine „gut organisierte und erfahrene Fachabteilung für Herzchirurgie“ im gleichen Krankenhaus, um eventuelle Komplikationen bei der TAVI rasch behandeln zu können, so der vdek.

Die Qualitätsvereinbarung wird laut vdek mit solchen Krankenhäusern abgeschlossen, die die TAVI als Leistung anbieten wollen. Die Ersatzkassen bezeichnen es als „inakzeptabel“, dass in 2012 mindestens 18 Krankenhäuser TAVIs durchgeführt hätten, ohne dass sie über eine Fachabteilung für Herzchirurgie verfügten.

Künftig wollen die Ersatzkassen die Qualitätsvereinbarung daher in den Budgetver­handlungen mit den Krankenhäusern berücksichtigen. Das soll „Patienten vor vermeidbaren Komplikationen beziehungsweise schlechter Qualität zu schützen“, so die Ersatzkassen.

Auch die DGTHG beklagt, dass TAVIs in Kliniken ohne herzchirurgische Abteilung durchgeführt werden. Dies widerspreche den Leitlinien der europäischen Fachgesellschaften der Herzchirurgen und Kardiologen. „Im Sinne der Patienten wäre die konsequente Umsetzung dieser Vorgabe aber wichtig. Denn für welche Patienten neben den genannten sehr alten, multimorbiden Personen dieses immer noch relativ neue Verfahren sonst noch infrage kommt, werden erst die langfristigen Ergebnisse aus dem Deutschen Aortenklappenregister von DGTHG und der DGK zeigen“, so Jochen Cremer, erster Vizepräsident der DGTHG, Anfang diesen Jahres.

„Kardiologen und Kardiochirurgen arbeiten gemeinsam sehr intensiv daran, die Qualität des Eingriffes auf einem hohen Niveau zu sichern“, erläutert der Kardiologe Hamm. Auch er betont die Bedeutung des Deutschen Aortenklappenregisters. „Wenn die Krankenkassen die Qualität sichern wollen, dann wäre es sehr wichtig, das Register zu unterstützen“, so Hamm. Leider sei dazu bislang keine Kasse bereit gewesen. © hil/aerzteblatt.de

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