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Politik

AG Gesundheit: Zukunft der Hausarztverträge unsicher, Kostendämpfung bei Arzneimitteln beschlossen

Montag, 4. November 2013

dpa

Berlin – Die Arbeitsgruppe (AG) Gesundheit hat sich im Rahmen der Koalitionsver­handlungen darauf verständigt, die Kostendämpfungsmaßnahmen im Arzneimittelbereich zu verlängern. Das teilten Jens Spahn, in der AG Verhandlungsführer der Union, und Karl Lauterbach, Verhandlungsführer der SPD, heute Abend in Berlin mit. Uneinig sind sie sich allerdings noch in der Frage, ob es weiterhin eine Verpflichtung für die Kranken­kassen zum Abschluss von Verträgen zur hausarztzentrierten Versorgung geben soll.

„Wir sind uns einig, dass die Hausärzte das Rückgrat der Versorgung in der Fläche in Deutschland sind“, betonte Spahn. Hausarztverträge seien ein wichtiges Element der hausärztlichen Versorgung. Aber: „Über die konkrete Ausgestaltung reden wir dann beim nächsten Mal“; kündigte er an. „Die Details werden noch verhandelt“; bekräftigte Lauter­bach. Er ließ durchblicken, gern an der Pflicht zum Abschluss von Hausarztverträgen festhalten zu wollen.

Herstellerabschlag bleibt
Was die Arzneimittelpolitik betrifft, ist die AG offenbar weiter. Der Herstellerabschlag für Arzneimittel ohne Festbetrag soll nach ihren Vorstellungen bestehen bleiben, würde allerdings von jetzt 16 auf sieben Prozent im nächsten Jahr reduziert. Den Preisstopp will die AG beibehalten; es würden damit weiterhin die Preise vom 1.8.2009 gelten, betonte Spahn. „Beide Maßnahmen bringen etwa 500 bis 700 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr“, erläuterte er. Die schwarz-gelbe Koalition hatte im Jahr 2010 beide Sparmaß­nahmen beschlossen; damals war der Herstellerabschlag von zuvor sechs auf 16 Prozent erhöht worden. Ohne Anpassung laufen beide Maßnahmen Ende des Jahres aus.

Nutzenbewertung des Bestandsmarktes wird nicht weiter verfolgt
Im Gegenzug spricht sich die AG Gesundheit nach den Worten von Lauterbach und Spahn dafür aus, die Nutzenbewertung von Arzneimitteln, die bereits auf dem Markt sind, nicht weiter zu verfolgen. Dadurch entfallen wiederum Einsparungen, die für das nächste Jahr mit 50 bis 60 Millionen und danach mit rund 100 Millionen Euro angesetzt wurden.

Um den Bestandsmarkt hatte es bereits seit längerem Diskussionen gegeben. Der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses, Josef Hecken, hatte unlängst in einem Gespräch mit der Ärzte Zeitung erklärt, er sehe „ganz große Probleme“ mit dem Aufruf des Bestandsmarkts.

Die betreffenden Arzneimittel seien teilweise schon länger als fünf Jahre auf dem Markt, ihre Zulassungsstudien mindestens zehn Jahre alt. Sie hielten den heutigen Evidenzprüfungen nicht mehr stand. Zudem seien viele der Bestandsmarktprodukte heute schon Standardtherapien. Es stelle sich die Frage, welche zweckmäßige Vergleichstherapie überhaupt herangezogen werden könne. © Rie/aerzteblatt.de

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popert
am Montag, 4. November 2013, 23:12

Informationsbedarf

Der Satz von Herrn Spahn: "... Hausärzte (sind) das Rückgrat der Versorgung in der Fläche..." offenbart ein bedauerliches Informationsdefizit.
Hausärzte sind die Garanten einer zeitnahen Versorgung in der Stadt ebenso wie auf dem Land:
Wer versorgt akut Kranke?
Wer macht Hausbesuche?
Wer ist Fachmann für Multimorbidität?
Wer geht ins Pflegeheim?
Wer macht ärztliche Bereitschaftsdienste zu Unzeiten?
Wer kann als einziger mehrere Organbereiche bzw. Beratungsanlässe (im Durchschnitt 2-3) gleichzeitig versorgen?
Für jeden fehlenden Hausarzt braucht man -bei gleicher Versorgungsdichte- 2-3 Spezialisten. In Zeiten des Ärztemangels ein gefährliches Konzept.

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