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Medizin

Studie: Vorhofflimmern erhöht Herzinfarktrisiko

Dienstag, 5. November 2013

dpa

Winston-Salem – Können Blutgerinnsel aus dem linken Atrium, eine wichtige Ursache von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern, auch Koronargefäße verlegen? In einer prospektiven Beobachtungsstudie in JAMA Internal Medicine (2013; doi: 10.1001/jamainternmed.2013.11912) erlitten Patienten mit Vorhofflimmern, zweimal häufiger als andere einen Herzinfarkt.

Für die meisten Gerinnsel, die sich aus dem linken Vorhof lösen, mag – nach der Passage der linken Herzkammer – der direkte Weg in die Halsschlagader führen, in deren Geäst sie schließlich hängen bleiben und einen ischämischen Schlaganfall auslösen. Es ist jedoch vorstellbar, dass einige Gerinnsel auch den Weg in die großkalibrigen Nierenarterien finden. Dies würde plausibel erklären, warum die Krankenversicherten von Kaiser Permanente in Kalifornien mit Vorhofflimmern zu 67 Prozent häufiger an einem dialysepflichtigen Nierenversagen erkranken (Circulation 2013; 127: 569–574).

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Andere Gerinnsel könnten gleich die ersten Abzweigungen in der Aorta nehmen, die zu den Koronargefäßen führen. Wie Elsayed Soliman von der Wake Forest School of Medicine in Winton Salem/North Carolina jetzt berichtet, erlitten Teilnehmer der REGARDS-Studie häufiger einen Herzinfarkt, wenn sie zu Beginn der Studie an einem Vorhofflimmern erkrankt waren.

Die prospektive Kohortenstudie mit 23.928 Teilnehmern sucht eigentlich nach Ursachen für die hohe Schlaganfallrate im Südosten der USA, der deshalb auch Stroke Belt genannt wird. In der Nachbeobachtungszeit  von 6,9 Jahren kam es zu 648 Herzinfarkten. Für Personen, die zu Beginn der Studie an einem Vorhofflimmern gelitten hatten, ermittelte Soliman ein fast zweifach erhöhtes Risiko (Hazard Ratio HR 1,96), das bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,52 bis 2,52 statistisch signifikant war und es auch nach Berücksichtigung zahlreicher Risikofaktoren für einen Herzinfarkt blieb (HR 1,70; 1,26-2,30).

Dass die Herzinfarkte tatsächlich durch thrombotische Ereignisse begünstigt werden, kann die epidemiologische Untersuchung nicht belegen. Es bleibt vorstellbar, dass Herzinfarkt und Vorhofflimmern gemeinsame Wurzeln haben, beispielsweise begründet in einer erhöhten Entzündungsreaktion im Körper, angezeigt durch ein erhöhtes C-reaktives Protein (CRP). Doch die Berücksichtigung des CRP veränderte in Solimans Analyse die Assoziation nicht wesentlich.

Die Editorialisten Jonathan Dukes und Gregory Marcus von der Universität von Kalifornien in San Francisco liefern ein weiteres Argument für einen kausalen Zusammenhang zwischen Vorhofflimmmern und Herzinfarkt. Ihre Meta-Analyse zu zahlreichen randomisierten Studien, in denen Patienten mit Vorhofflimmern zur Vermeidung von Schlaganfällen mit Warfarin behandelt wurden, zeigt, dass die Patienten unter der Antikoagulation auch seltener an einem Herzinfarkt erkrankten.

In den wenigen Studien, in denen Warfarin mit Placebo verglichen wurde, war das relative Risiko von 0,45 zwar deutlich, aber mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,16 bis 1,28 nicht signifikant. In der Auswertung der zahlreicheren Studien, in denen Warfarin mit ASS oder anderen antithrombozytären Wirkstoffen verglichen wurde, erkrankten die Teilnehmer ebenfalls seltener an einem Herzinfarkt. Das relative Risiko von 0,75 (0,57-0,99) war dieses Mal signifikant.

Doch auch diese retrospektive Übersicht liefert letztlich keinen Beweis, dass Thromben aus dem Vorhof am Infarktgeschehen im Herzmuskel beteiligt sein könnten, zumal die Kardiologen bei der perkutanen koronaren Intervention häufig einen anderen Grund in den Koronarien finden, nämlich stenosierte Arterien mit einem Blutpfropf auf dem Boden eines rupturierten Plaques. Eine Konsequenz der Studie könnte aber sein, den Einfluss der Antikoagulation auf Herzinfarkt und Nierenversagen bei der Planung künftiger Studien zu berücksichtigen. © rme/aerzteblatt.de

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