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Medizin

Chirurgen beschreiben neues Band am Kniegelenk

Mittwoch, 6. November 2013

Löwen – Belgische Chirurgen haben die Funktion einer lange rätselhaften Struktur im menschlichen Kniegelenk gedeutet. Das anterolaterale Ligament hat ihrer Publikation im Journal of Anatomy (2013; doi: 10.1111/joa.12087) zufolge eine wichtige Aufgabe in der seitlichen Stabilisierung des Kniegelenks. Ein Riss könnte eine Ursache für das Pivot-Shift-Phänomen sein.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine bisher nicht bekannte anatomische Struktur im menschlichen Körper beschrieben wird, schließlich war der grobe Verlauf von Blutge­fäßen, Nerven, Muskeln und Bändern bereits den Anatomen der Renaissance bekannt. Und im Zeitalter von Elektronenmikroskopen und Kernspintomographen sollte die Existenz eines mehrere Zentimeter langen Ligaments im Kniegelenk eigentlich längst bekannt sein.

Tatsächlich wurde das „perlenschnurförmige straffe fibröse Band“ bereits 1879 von dem französischen Chirurgen Paul Ferdinand Segond beschrieben. Seine Eigenständigkeit und Bedeutung für die Kniefunktion war jedoch bisher umstritten.

Die orthopädischen Chirurgen Steven Claes und Johan Bellemans von der Universitäts­klinik in Löwen konnten das Band jetzt in 40 von 41 Kniegelenken von Verstorbenen freipräparieren und seinen genauen Verlauf klären. Das anterolaterale Ligament (ALL) entspringt demnach am Epicondylus lateralis des Femurs an einer Knochenerhebung (Prominentia) leicht anterior vom Ursprung des äußeren Seitenbandes des Knies, mit dem es sich einige Fasern teilt.

Das ALL verläuft dann schräg nach unten zur anterolateralen Fläche der proximales Tibia mit festen Verbindungen zum lateralen Meniskus und umschließt dabei die Arteria und Vena inferior lateralis genus (die das Kniegelenk mit Blut versorgen). Den Ansatz des Ligaments lokalisieren die belgischen Chirurgen an der Tibia auf halbem Wege zwischen dem Tuberculum gerdyi und der Spitze des Fibulakopfes deutlich getrennt vom ilio-tibialen Band (das an der Außenseite des Oberschenkels bis zum Beckenkamm verläuft).

Das ALL stabilisiert damit auf der Außenseite des Knies die Verbindung zwischen Femur und anterolateraler Tibia, schreiben die beiden Chirurgen. Es schränke die Innenrotation der Tibia ein und ein Riss des Bandes könnte am sogenannten Pivot-Shift-Phänomen beteiligt sein.

Es handelt sich um einen Test, bei dem der Untersucher das Schienbein bei leicht gebeugten Knie in provozierter Subluxation nach innen rotiert, eine Bewegung, die normalerweise durch ein intaktes vorderes Kreuzband verhindert wird. Die Rolle des ALL bei diesem Test sollte jetzt Gegenstand biomechanischer Untersuchungen sein, schreiben die Autoren. © rme/aerzteblatt.de

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