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Katastrophenpläne für Atomunfall in Deutschland laut IPNNW unzureichend

Mittwoch, 6. November 2013

Atomkraftwerk Grohnde dpa

Berlin – „Gravierende Mängel“ beim Katastrophenschutz um Atomkraftwerke kritisiert die atomkritische Ärzteorganisation „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atom­krieges, Ärzte in sozialer Verantwortung“ (IPPNW). Zum Beispiel sei es inakzeptabel, dass dauerhafte Evakuierungen nur aus Gebieten vorgesehen seien, in denen die Menschen nach einem Atomunfall mit einer jährlichen Strahlendosis von mindestens 50 Millisievert belastet würden.

„Damit nimmt man billigend in Kauf, dass es nach einem Super-GAU zu großen Opferzahlen kommt“, sagte der IPPNW-Arzt Reinhold Thiel. Selbst in Japan gelten Gebiete mit einer Belastung von 20 Millisievert pro Jahr laut der IPPNW als unbewohnbar.

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Katastrophenschutzplan für jedes deutsche Atomkraftwerk
Für jedes Atomkraftwerk in Deutschland gibt es bisher einen detailliert ausgearbeiteten Katastrophenschutzplan für den Fall einer Katastrophe mit radioaktiver Freisetzung, der sich an den „Rahmenempfehlungen für den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntech­nischer Anlagen“ und an den dazu gehörigen „Radiologischen Grundlagen“ orientiert.

Für dessen Umsetzung ist das jeweilige Landratsamt in der Nähe des Kraftwerkes zuständig. Die Rahmenplanung dafür erarbeiten die zuständigen Länderbehörden. Gesetzgeberisch eingebettet sind die Länderplanungen in die Katastrophen­schutz­rahmengesetzgebung des Bundes, die für gemeinsame Minimalstandards sorgen soll.

Die IPPNW begrüßt, dass die Strahlenschutzkommission jetzt bereit ist, den Katas­trophenschutz um Atomkraftwerke auszubauen, kritisiert jedoch Mängel. So sei die Ausweitung der kurzfristigen Evakuierungszonen von zehn auf 20 Kilometer fragwürdig. Bayern habe schon vor der atomaren Katastrophe von Fukushima einen 25-Kilometer-Radius vorgeschrieben. Auch im Saarland sei eine mögliche Evakuierung für die Bevölkerung in einem 25-Kilometer-Radius um das französische Kernkraftwerk Cattenom vorgesehen.

Die von der Strahlenschutzkommission empfohlene Ausweitung der Bevorratung von Jodtabletten für Kinder, Jugendliche und Schwangere von einem 100-Kilometer-Umkreis auf das gesamte Bundesgebiet ist laut IPPNW ein Schritt in die richtige Richtung. Nach Auffassung der Ärzteorganisation sollte sie aber auch für Erwachsene erfolgen.

Zudem fordert die IPPNW, die Jodtabletten nicht zentral zu lagern, sondern nach österreichischem Vorbild jedem Haushalt vorab zur Verfügung zu stellen. „Die hochdosierten Jodtabletten sollten nämlich schon eingenommen werden, bevor die radioaktive Belastung die Menschen erreicht, um wenigstens vor Schilddrüsenkrebs zu schützen“, so Thiel.

Die IPPNW weist daraufhin, dass die sogenannte Deckungsvorsorge für einen Super-GAU in Deutschland 2,5 Milliarden Euro beträgt, die Atomkatastrophe in Japan aber bereits einen dreistelligen Milliardenbetrag verschlungen habe.  © hil/aerzteblatt.de

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