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Medizin

Augenbewegungen verraten Autismus bei Säuglingen

Donnerstag, 7. November 2013

dpa

Atlanta – Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen halten in den ersten Lebensmonaten noch normale Blickkontakte mit anderen Menschen. Die Fähigkeit geht erst in den ersten Lebensjahren allmählich verloren, berichten US-Forscher in Nature (2013; doi: 10.1038/nature12715).

Die Scheu der Kinder, Blickkontakte aufzunehmen, sind ein wesentliches Kennzeichen autistischer Erkrankungen. Sie waren bereits dem Erstbeschreiber Leo Kanner aufgefallen und gehören noch heute zu den Kriterien für die Diagnose, die in der Regel im Alter von etwa zwei Jahren erfolgt, wenn Störungen im Sozialverhalten und in der Sprachentwicklung die Eltern zunehmend beunruhigen.

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Warren Jones und Ami Klin vom Marcus Autism Center an der Emory University School of Medicine in Atlanta/Georgia haben jetzt erstmals systematisch untersucht, wann die Störung der Blickkontakte eintritt. Für diesen Zweck ließen sie eine Box konstruieren, die die Blickrichtung der Augen aufzeichnet, während den Kindern Bilder vertrauter Menschen, also in der Regel der Mutter, gezeigt wurden.

Die Forscher begleiteten eine Kohorte von 110 Säuglingen seit der Geburt. Darunter waren 59 Kinder, die ein hohes Erkrankungsrisiko hatten, da ältere Geschwisterkinder ebenfalls an einer Autismus-Spektrum-Störung litten. Die Kinder wurden zwischen dem zweiten Lebensmonat und dem zweiten Lebensjahr insgesamt zehn Mal in kurzfristigen Abständen untersucht.

Bis zum dritten Lebensjahr wurde bei 13 Kindern eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert, darunter zwölf Kinder mit genetischem Risiko. Die Analyse der früheren Aufzeichnungen der Blickrichtungen ergab nun überraschenderweise, dass sich die autistischen Kinder im Alter von zwei Monaten nicht von den anderen unterschieden. Die Fähigkeit, andere Personen zu fixieren und einen emotionalen Augenkontakt aufzu­nehmen, ging erst allmählich verloren in einem Zeitraum, in dem die sich normal entwickelnden Kinder ihre Blickkontakte verstärkten.

Jones und Klin hoffen, dass ihr Gerät, das jetzt für den Einsatz in der Klinik weiter entwickelt werden soll, den Ärzten nicht nur eine frühere Diagnose der Erkrankung ermöglicht. Die frühzeitige Diagnose könne auch die Möglichkeit eröffnen, die Entwicklung der Erkrankung wissenschaftlich zu untersuchen und neue Therapieansätze zu erproben. © rme/aerzteblatt.de

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