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Ärzteschaft

Offener Streit in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Freitag, 8. November 2013

dpa

Berlin – Unterschiedliche Auffassungen der beiden Vorstandsmitglieder der Kassen­ärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Regina Feldmann und Andreas Köhler, über die künftige Organisation der Körperschaft haben am Freitag zu einer Eskalation während einer Sonder-Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) geführt. Zur Diskussion stand, die KBV in einen hausärztlichen und einen fachärztlichen Bereich aufzuteilen, mit jeweils eigenem Vorstand. Diese Lösung hatte Feldmann favorisiert.

Als „engagiert, oft kontrovers“ bezeichnete Stefan Windau, stellvertretender Vorsitzender der Ver­tre­ter­ver­samm­lung, in einer Pressemitteilung die Diskussion. Er leitete für den erkrankten Vorsitzenden der Ver­tre­ter­ver­samm­lung, Hans-Jochen Weidhaas, die Sitzung der rund 60 Delegierten der Selbstverwaltung.

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Nach Angaben der KBV lagen mehrere Anträge zur Abstimmung vor. Damit wurden Inhalte und Ausrichtung der KBV für die Zukunft beschlossen. „Ein großer Teil der hausärztlichen Delegierten verließ dabei die Sitzung“, erläuterte Windau. „Trotzdem blieb die Ver­tre­ter­ver­samm­lung beschlussfähig.“ Einstimmig bekannte sich die reduzierte Ver­tre­ter­ver­samm­lung nach Angaben der KBV als gemeinsame Vertretung aller Vertragsärzte und Psychotherapeuten in Deutschland. Gleichzeitig mahnten die Dele­gierten „einen fairen Interessenausgleich“ an.

Köhler stellt die Vertrauensfrage
Am Ende der Sitzung wurde demnach über einen vom Vorstandsvorsitzenden Andreas Köhler gestellten Antrag abgestimmt. Köhler hatte ein Bekenntnis zu einer einheitlichen KBV mit der Vertrauensfrage verknüpft. „Das Votum fiel deutlich aus: Der Antrag wurde mit wenigen Enthaltungen und ohne Gegenstimmen angenommen“, teilte die KBV mit.

Allerdings wurde als „Warnzeichen an den Vorstand“, so Windau, formal ein Abwahl­verfahren gegen den Vorstand der KBV eingeleitet. „Es handelt sich ausschließlich um die Einleitung eines Verfahrens, nicht mehr und nicht weniger. Die KBV bleibt voll handlungs- und funktionsfähig“, erklärte Windau. Über eine mögliche Abwahl wird Anfang Dezember auf der nächsten Ver­tre­ter­ver­samm­lung entschieden.

Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, berichtete heute bei der Bundeshauptversammlung seines Verbands von der kurz zuvor beendeten VV und der nach seiner Auffassung brisanten Situation in Bezug auf das Selbstverständnis der KBV. Ein Antrag auf Sektionierung in einen haus- und einen fachärztlichen KBV-Bereich habe jedoch nur 16 Stimmen erhalten.

Stattdessen habe die VV mit großer Mehrheit beschlossen, dass die KBV für die Einheit der Vertragsärzteschaft stehe und alle Haus- und Fachärzte Deutschlands vertrete, sagte Heinrich unter dem Applaus der Delegierten des NAV-Virchow-Bundes. Gerade der NAV stehe ja für die Einigkeit der Ärzteschaft.

Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Köhler, ist nach Heinrichs Urteil gestärkt aus der Sonder-VV hervorgegangen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, weil wir immer gegen eine Sektionierung von Haus- und Fachärzten waren“, sagte er. Denn es gebe keine rein haus- und rein fachärztlichen Belange. „An der Basis versteht das sowieso keiner mehr, da arbeiten Haus- und Fachärzte zusammen“, so Heinrich. © Rie/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Sonntag, 17. November 2013, 18:20

re: Versteckspiel

Wie hat sich denn der Hausärzteverband damals 2008 und 2010 zu den Ereignissen in Nürnberg mit Hoppenthaller positioniert, wo ein Landesverband sich an die Spitze einer Hausarztbewegung setzte?
O-Ton Hoppenthaller an MP Beckstein:
"Wir kämpfen aber gegen ein perverses Unterdrückungssystem, in dem solche Mechanismen überhaupt angedacht werden können. Am 30.01.2008 werden 6000 bis 7.000 Hausärzte in die ARENA nach Nürnberg kommen, weil sie in diesem Zwangssystem nicht mehr weiter arbeiten wollen."
(Brief an Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein - Staatskanzlei Franz-Josef-Strauß-Ring 1 München am 28.1.2008)
"Nach 30-jähriger Unterdrückung durch die Sozialpolitiker und die Krankenkassen wollen wir Hausärzte in diesem perversen Zwangssystem nicht mehr weiter arbeiten.
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lassen Sie mich abschließend Perikles zitieren:
„Seid überzeugt, dass das Geheimnis des Glücks die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber der Mut ist!“
Wir Hausärzte Bayerns müssen diesen Mut alleine schon deshalb aufbringen, damit der Bevölkerung Bayerns ihre Hausärzte auch in Zukunft erhalten bleiben."
Avatar #104037
popert
am Sonntag, 10. November 2013, 22:13

Versteckspiel

Es ist schon erstaunlich, kaum könnte die Politik vielleicht gelegentlich etwas für die Hausärzte tun wollen, haben alle Spezialisten in der KBV diese so lieb, dass sie diese am liebsten erdrücken wollen.
Jetzt sind plötzlich alle mit einem Bein Basisversorger - auch wenn sie mit dem anderen im IGeL-Sumpf stecken und noch nie einen Hausbesuch gemacht haben ...
Fakt ist - es geht nur vordergründig um die Figur Feldmann -die man jetzt scheinheilig über einen Abwahlantrag gegen den gesamten Vorstand loswerden will. In Wirklichkeit befürchten die Spezialisten, dass die Politik sie für "doppelte Facharztschiene" und damit für überflüssig halten könnte. Da ist es sicher besser, wenn man nicht so genau erkennen kann, wer wirklich Basisversorgung macht...
Tatsächlich kann sich der Hausärzteverband keine bessere Werbung für eine Ausweitung der HzV-Abrechnungsautonomie wünschen, als diese offensichtliche Bevormundung der größten Versorgergruppe in der KBV.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 10. November 2013, 19:02

Zoff um Dominanzgebärden des Vorstandes in der KBV-VV?

Was am gestrigen Samstag bei der Sonder-Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) passierte, berichtet das Deutsche Ärzteblatt hier Online (www.aerzteblatt.de) in seiner Eilmeldung: Unterschiedliche Vorstellungen seien beim Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zwischen Regina Feldmann und Andreas Köhler über die künftige Organisation der Körperschaft aufeinander geprallt. In der VV sei äußerst kontrovers gestritten worden, die KBV in hausärztliche und fachärztliche Bereiche aufzuspalten. Doch genau dies wurde von Kollegin Regina Feldmann gefordert.

Selbst Stefan Windau, stellvertretender Vorsitzender der VV, bezeichnete in einer Pressemitteilung die Diskussion als „engagiert, oft kontrovers“. Es hätten mehrere Anträge zur Abstimmung vorgelegen. „Ein großer Teil der hausärztlichen Delegierten verließ dabei die Sitzung“, sagte Windau. „Trotzdem blieb die Ver­tre­ter­ver­samm­lung beschlussfähig.“ Die r e d u z i e r t e Sonder-VV habe sich dann nach Angaben der KBV als „gemeinsame Vertretung aller Vertragsärzte und Psychotherapeuten in Deutschland“ bekannt, nicht ohne „einen fairen Interessenausgleich“ anzumahnen?

Abschließend sei über einen Antrag des Vorstandsvorsitzenden Andreas Köhler abgestimmt worden. Köhler habe sein Bekenntnis zu einer einheitlichen KBV mit einer Vertrauensfrage verbunden. „Das Votum fiel deutlich aus: Der Antrag wurde mit wenigen Enthaltungen und ohne Gegenstimmen angenommen“, teilte die KBV mit.

Äußerst fragwürdig bleibt allerdings, dass angeblich als „Warnzeichen an den Vorstand“, so Windau, ein A b w a h l v e r f a h r e n gegen den Vorstand der KBV eingeleitet worden sei. Dies wird hier bei arzteblatt.de massiv heruntergespielt: „Es handelt sich ausschließlich um die Einleitung eines Verfahrens, nicht mehr und nicht weniger. Die KBV bleibt voll handlungs- und funktionsfähig“, habe Windau erklärt. Eine mögliche A b w a h l (sic!) werde Anfang Dezember auf der kommenden VV entschieden.

Ich bedaure sehr, aber das klingt, als würde sich ein Familienvater mitten im größten Familienkrach, während seine Ehefrau in Streit und Wut das Haus vom Dachstuhl her in Brand gesetzt hat, in aller Seelenruhe weiter die Zähne putzen, damit er nicht mit Mundgeruch auffallen könne, wenn er mit schweren Rauchvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden würde. Geht’s noch?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #672734
isnydoc
am Samstag, 9. November 2013, 15:25

Brisante Situation beim Selbstverständnis der KBV?

"Der Vorstandsvorsitzende ist gestärkt aus der Sitzung gegangen, was auch ein deutliches Signal an die Politik ist, dass sie auf das Wort der KBV weiter vertrauen kann." ... so Heinrich im Interview mit dem Ärztenachrichtendienst.
Sie, die KBV arbeitet bekanntlich mit Image-Kampagnen für ihr Leben gern ... geht es ums Überleben des hinfälligen Systems "Kollektivvertrag"?
LNS

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