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Mobilität und Internet fördern HIV-Neuinfektionen in Deutschland

Montag, 11. November 2013

Die Zahl der Menschen ohne HIV-Test steigt /dpa

Berlin – Die Zahl der HIV-infizierten Personen hat sich in Deutschland seit Anfang der 1990er Jahre fast verfünffacht. Dies liegt einem Bericht im Epidemiologischen Bulletin (2013; 45: 457-464) zufolge zum einen an der gestiegenen Lebenserwartung der Infizierten. Aber auch die Zahl der Neuinfektionen bleibe auf einem hohen Niveau. Gefährdet seien vor allem Männer, die (ungeschützten) Sex mit Männern haben (MSM).

Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt, dass in Deutschland etwa 78.000 Menschen mit einer HIV-Infektion leben. Dass die Zahl seit Anfang der 1990er Jahre stark gestiegen ist, liegt zum einen an den heute guten Behandlungsmöglichkeiten. HIV-Infizierte haben unter der Therapie eine annähernd normale Lebenserwartung.

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Zum anderen gibt es aber offenbar eine steigende Zahl von Personen, die noch keinen HIV-Test durchgeführt haben und daher nicht wissen, dass sie sich mit HIV infiziert haben. Das RKI schätzt diese Zahl – nach komplexen mathematischen Modellen – auf circa 14.000 Personen. Laut RKI hat sich ein Viertel der Personen, die mit HIV leben, aber noch nicht von ihrer HIV-Infektion wissen, erst im Laufe des Jahres 2012 infiziert.

Von diesen Personen geht das größte Ansteckungsrisiko aus, zumal die Virusmenge in ihrem Blut nicht durch Medikamente reduziert wird. Der Zeitraum von der Infektion bis zur Diagnose beträgt laut RKI in Deutschland etwa 5 Jahre. Es gebe noch immer viele Fälle, bei denen die CD4-Werte bei der Diagnose bereits auf unter 200 abgefallen sind. Der Anteil dieser späteren Diagnosen könnte durch häufigere Testung von Menschen mit Infektionsrisiken auf HIV reduziert werden, lautet ein Appell des RKI.

Die Epidemiologen schätzen, dass sich 2012 etwa 3.400 Menschen in Deutschland neu mit HIV infiziert haben. Davon sind circa 2.500 (74 Prozent) MSM, 360 (11 Prozent) Frauen und 270 Männer (8 Prozent), die sich auf heterosexuellem Wege infiziert haben. Hinzu kommen noch 210 (6 Prozent) Menschen, die sich beim intravenösen Drogenkonsum infiziert haben, sowie unter 10 Mutter-Kind-Übertragungen.

HIV-Infektionen durch intravenösen Drogenkonsum stark gesunken
Die Zahl der HIV-Infektionen durch intravenösen Drogenkonsum ist in Deutschland stark gesunken. Die Epidemie wird heute eindeutig von den MSM getragen. Hier ist es laut RKI in den letzten Jahrzehnten zu einem Wandel gekommen. In den 1980er und 1990er Jahren konzentrierte sich das Infektionsgeschehen sehr stark auf die großstädtischen Homosexuellenszenen, die zahlenmäßig nur einen kleinen Teil der MSM-Bevölkerung ausmachen.

Inzwischen könnte sich die Epidemie auf weitere Kreise der MSM-Bevölkerung ausge­dehnt haben. Das RKI vermutet, dass MSM wegen besserer technischer Vernetzung durch Internet und Smartphone leichter zueinander finden. Ein Hinweis hierfür könnte die Zunahme der Neuinfektionen bei jüngeren MSM sein. Mehr als 30 Prozent der Neuinfektionen entfällt auf die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen.

Gestiegene Mobilität und preisgünstige Flüge machen zudem den Kontakt einfacher. Wie hoch dort das Ansteckungsrisiko sein kann, zeigt eine kürzlich in Hamburg durchgeführte Untersuchung. Dort waren Männer an Orten, an denen sich homosexuelle Männer treffen, angesprochen und gebeten worden, eine Speichelprobe zur Untersuchung auf HIV-Antikörper abzugeben: Bei 4,2 Prozent der Teilnehmer wurde eine nicht bekannte HIV-Infektion festgestellt.

Die Chance, sich mit HIV zu infizieren, ist hier enorm und Präventionmaßnahmen essenziell, zumal in der Studie ein relativ hoher Anteil der unerkannt HIV-infizierten Männer angegeben hatte, dass ihr letzter HIV-Test erst wenige Monate zurückliege. Vor diesem Hintergrund ist die Frage an den Partner, ob er (oder sie) mit HIV infiziert ist, kein dem Kondomgebrauch gleichwertiger Schutz, warnt das RKI.

Zu viele Menschen in diesen Gruppen wüssten einfach nicht, dass sie mit HIV infiziert sind. Das Ansteckungsrisiko werde auch durch die steigende Zahl der Syphilis-Infektionen unter MSM erhöht. Die Läsionen der Syphilis gelten als leichte Ein- und Austrittspforte für HI-Viren. © rme/aerzteblatt.de

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