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Politik

Große Telemedizinstudie zur chronischen Herzinsuffizienz gestartet

Montag, 11. November 2013

Berlin – An der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist mit 1.500 teilnehmenden Patien­ten im Raum Berlin/Brandenburg eine der weltweit größten Telemedizinstudien gestartet. Sie soll die Grundlagen dafür liefern, dass die telemedizinische Mitbetreuung von Patien­ten mit schwerer Herzinsuffizienz sowohl in den medizinischen Leitlinien als auch in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden kann.

Die Studie „Telemedical Interventional Management in Heart Failure II“ (TIM-HF II) sei der wichtigste Meilenstein des Fontane-Projekts „Gesundheitsregion der Zukunft Nord­branden­burg“, erklärte Friedrich Köhler vom Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité beim 4. Fachkongress der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin in Berlin. An der randomisierten multizentrischen prospektiven Studie sollen sich 400 Hausärzte und 60 niedergelassene Kardiologen beteiligen. Bis Ende 2014 soll die Rekrutierung der Patienten abgeschlossen sein. Mit ersten Ergebnissen ist laut Köhler, der die klinische Prüfung leitet, Anfang 2016 zu rechnen. 

In der Versorgungsstudie werden die Patienten randomisiert in eine Telemedizin- und in eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Die telemedizinisch betreuten Patienten erfassen täglich von zu Hause aus ihre biometrischen Daten mit einer Waage, einem EKG- und einem Blutdruckmessgerät.

Ein spezielles Gerät (Firma Getemed) speichert und analysiert die Werte und leitet sie automatisch an das telemedizinische Zentrum an der Charité beziehungsweise an Zentren in Cottbus und Brandenburg weiter. Sind sie auffällig, gibt es ein abgestuftes Vorgehen: von der telefonischen Kontaktaufnahme mit dem Patienten über eine verän­derte Medikation in Absprache mit den betreuenden Ärzten bis hin zur Alarmierung des Notarztes.

TIM-HF II baut auf den Ergebnissen der Vorläuferstudie „Partnership for the Heart“ auf. Diese hatte untersucht, welche Herzinsuffizienz-Patienten von Telemonitoring profitieren, und dabei nur für einen kleinen Teil der Studienpopulation therapeutische Effekte festgestellt.

Einschlusskriterien der Folgestudie mit einer doppelt so hohen Anzahl von Teilnehmern sind vor diesem Hintergrund Patienten, die bereits mit einer kardialen Dekompensation stationär behandelt worden sind, deren Herzleistung nicht zu schwach ist (NYHA II bis III, mit einer linksventrikulären Auswurfleistung von maximal 45 Prozent) und die keine Symptome einer Depression aufweisen. Primärer Endpunkt der Studie sind die verlorenen Tage aufgrund von kardiovaskulärer Hospitalisierung und Tod.

Das zweite Ziel sei es jetzt, zu zeigen, „dass die telemedizinische Betreuung bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz im strukturschwachen Raum der Versorgung in einer Metropolregion nicht unterlegen ist“, erläuterte Köhler. Das Projekt sei daher zukunfts­weisend: „Die telemedizinischen Angebote nützen den Patienten und stärken gleichzeitig auch die Hausärzte, die in den dünn besiedelten Gegenden Brandenburgs ganz häufig auch Herzpatienten betreuen. Auf diese Weise wird die Qualität der Versorgung aller Patienten gesichert – unabhängig davon, ob sie in der Nähe eines Facharztes wohnen.“

Die Studie wird von der AOK Nordost und der Barmer GEK unterstützt. Das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit 8 Millionen Euro, das Land Brandenburg mit weiteren 4,5 Millionen Euro.

© KBr/aerzteblatt.de

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