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Medizin

Glomerulosklerose: Rheumamittel Abatacept stoppt Proteinurie

Montag, 11. November 2013

Boston – Das Immunsuppressivum Abatacept kann bei Patienten mit fokal segmentaler Glomerulosklerose die Proteinurie stoppen, wenn die Erkrankung mit einer vermehrten Expression des Immunmoleküls B7-1 auf den Podozyten in den Nierenfiltern verbunden ist. Eine außergewöhnlich erfolgreiche Fallserie im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1304572) könnte der Beginn einer zielgerichteten Therapie von Nierenerkrankungen sein.

Abatacept wurde im Jahr 2007 als Orencia zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen. Der Wirkstoff erzielt seine immunsupprimierende Wirkung, indem er den Rezeptor CD80 auf der Oberfläche von B-Zellen blockiert. In einigen Fällen der fokal segmentalen Glomerulosklerose (FSGS) wird CD80 als B7-1 auf der Oberfläche von Podozyten exprimiert.

Diese „Fußzellen“ bilden in den Nierenkörperchen (Glomeruli) den feinen Filter, über den der Primärharn aus dem Blutplasma gepresst wird. Störungen der Podozyten führen bei der FSGS zu einem Defekt der Filterfunktion und zur Proteinurie. Sie schreitet bei der FSGS häufig zum nephrotischen Syndrom und zum Nierenversagen fort.

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Unter der Annahme, dass B7-1 und die damit verbundene Immunreaktion eine Ursache für die Proteinurie sein könnte, hat das Team um Peter Mundel vom Massachusetts General Hospital in Boston fünf Patienten mit Abatacept behandelt. Bei vier Patienten war es nach einer Nierentransplantation zu einem Rezidiv der FSGS gekommen, der fünfte Patient stand aufgrund des bisherigen Verlaufs der Erkrankung kurz vor einem Nierenversagen.

Bei allen fünf Patienten kam es unter der Therapie zu einer Besserung der Proteinurie. Zwei der vier Patienten mit einem Rezidiv nach Nierentransplantation sind nach einer einzigen Infusion mit Abatacept seit drei und vier Jahren in Remission, berichtet Mundel. Die anderen beiden benötigten eine zweite Infusion und sind seit nunmehr 10 und 12 Monaten in Remission. Die fünfte Patientin sprach ebenfalls auf die Behandlung an. Unter monatlichen Infusionen mit Abatacept sei sie seit mehr als einem Jahr in Remission. Die frühere hochdosierte Steroidtherapie konnte abgesetzt werden.

Die Forscher konnten auch die Pathogenese der Erkrankung klären. Die Bildung von B7-1 führt dazu, dass die Fortsätze der Podozyten den Kontakt zur Basalmembran verlieren. Dadurch bilden sich Lücken, durch die Proteine aus dem Blutplasma in den Primärharn gelangen. Nach dieser Erkenntnis dürfte die Therapie der FSGS nur bei Patienten wirksam sein, bei denen in der Biopsie B7-1 in den Glomeruli nachweisbar ist.

Abatacept wäre damit die erste zielgerichtete Therapie der FSGS und möglicherweise auch anderer Glomerulopathien. Bisher beschränkt sich die Therapie der Glomerulosklerose auf die hochdosierte Gabe von Steroiden und anderen Immunsuppressiva, die bei der FSGS aber in der Regel das Nierenversagen nicht verhindern können. © rme/aerzteblatt.de

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