NewsMedizinMammakarzinom: Intraoperative Radiotherapie in Studien gleichwertig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mammakarzinom: Intraoperative Radiotherapie in Studien gleichwertig

Dienstag, 12. November 2013

dpa

London/Mailand – Eine einmalige Bestrahlung während der Operation könnte einigen Patientinnen mit Mammafrühkarzinom die nach einer Lumpektomie sonst notwendige postoperative Radiotherapie ersparen, die sich häufig über mehrere Wochen hinzieht. Die intraoperative Radiotherapie hat sich in zwei randomisierten Studien als gleichwertig erwiesen. Sie dürfte aber auf ausgewählte Patientinnen beschränkt bleiben.

Standard nach brusterhaltender Operation (Lumpektomie) ist eine fraktionierte Radio­therapie, bei der die Strahlendosis auf viele Einzelbestrahlungen aufgeteilt wird. Das bedeutet tägliche Bestrahlungstermine über einen Zeitraum von sechs Wochen, was für Patientinnen mit langem Anfahrtsweg oft nicht realisierbar ist.

Anzeige

Diese mussten bisher wohl oder übel für die Mastektomie optieren. Die Alternative, die in der „Targeted Intraoperative Radiotherapy Alone” oder TARGIT-A-Studie mit 3.451 Patientinnen und in der „Electron Intraoperative Radiotherapy“ oder ELIOT-Studie mit 1.305 Patientinnen untersucht wurde, lautet intraoperative Radiotherapie.

In der TARGIT-A-Studie war dies eine Röntgenbestrahlung (20 Gray). Sie erfolgte bei einem Teil der Patientinnen während der Primäroperation vor Kenntnis des pathologischen Befundes. In einer zweiten Gruppe wurden die Patientinnen nach Kenntnis des pathologischen Befundes bestrahlt, was eine zweite Operation (im Durchschnitt nach 37 Tagen) erforderlich machte.

Dabei wurde die Operationswunde für die intraoperative Radiotherapie geöffnet. Bei 15 Prozent der „präpathologisch“ bestrahlten Frauen wurde eine postoperative Bestrahlung für notwendig erwachtet, bei den „postpathologischen“ Patientinnen war dies nur in 3,6 Prozent der Fälle notwendig.

In der ELIOT-Studie erfolgte die intraoperative Radiotherapie bei allen Patientinnen während der Tumorresektion. Zum Einsatz kam ein Elektronenbestrahler (21 Gray). Um die Brustorgane zu schützen, wurde vorübergehend eine Bleischürze zwischen mobilisierter Brustdrüse und Pektoralismuskel geschoben. Die Ergebnisse beider Studien wurden zeitgleich veröffentlicht: die TARGIT-A-Studie im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)61950-0) und die ELIOT-Studie in Lancet Oncology (2013; doi: 10.1016/S1470-2045(13)70497-2).

Das Hauptaugenmerk lag in beiden Studien auf der Rate von Lokalrezidiven, deren Vermeidung ja der eigentliche Zweck der Radiotherapie ist. Ihre Rate war in beiden Studien nach intraoperativer Strahlentherapie erhöht. In der TARGIT-A-Studie erlitten nach einer intraoperativen Radiotherapie 3,3 Prozent der Frauen in den ersten 5 Jahren ein Lokalrezidiv gegenüber 1,3 Prozent nach einer konventionellen postoperativen Radiotherapie. Der Unterschied war nicht signifikant, könnte also ein Zufallsergebnis gewesen sein.

Zweifel sind angebracht für die postpathologische Strategie. Hier erlitten 5,4 Prozent ein Lokalrezidiv, bei den präpathologisch bestrahlten Patientinnen waren es nur 2,1 Prozent. Damit entfällt eine wichtige Rationale für die postpathologische Strategie, und Jayant Vaidya vom University College London und Mitarbeiter sprechen sich klar dafür aus, die Bestrahlung bereits bei der Lumpektomie durchzuführen, auch auf die Gefahr hin, dass nach Kenntnis des pathologischen Befundes doch noch eine postoperative Strahlentherapie notwendig werden kann.

TARGIT-A-Studie: Gesamt­mortalität geringer
Es gibt noch ein bemerkenswertes Ergebnis der TARGIT-A-Studie: Obwohl die leicht erhöhte Rate von Lokalrezidiven einen – ebenfalls nicht-signifikanten – Anstieg der Brustkrebssterblichkeit (2,6 versus 1,9 Prozent) zur Folge hatte, war die Gesamt­mortalität geringer (3,9 versus 5,3 Prozent). Der Grund ist eine erhöhte Anzahl von Todesfällen an anderen Tumoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ob sie tatsächlich auf die ausgedehntere Bestrahlung bei der postoperativen Radiotherapie zurückzuführen ist, kann die Studie nicht klären. Die gute Nachricht bleibt, dass in beiden Gruppen weit über 90 Prozent der Frauen 5 Jahre oder länger überleben, was aber mit der strikten Auswahl der Patientinnen zusammenhängt, die Grundlage für die Indikationsstellung zur intraoperativen Radiotherapie bleiben dürfte.

Auch in der ELIOT-Studie kam es in den ersten 5 Jahren nach der intraoperativen Bestrahlung häufiger zu Lokalrezidiven. Umberto Veronesi vom Istituto Europeo di Oncologia in Mailand und Mitarbeiter geben die Rate mit 4,4 Prozent an gegenüber nur 0,4 Prozent unter der konventionellen Bestrahlung. Anders als in der TARGIT-A-Studie war der Unterschied hier signifikant.

Doch die Gesamtsterblichkeit war – ähnlich wie in der TARGIT-A-Studie – nach der intraoperativen Bestrahlung niedriger (3,9 versus 5,3 Prozent), so dass die Italiener das Projekt nicht als gescheitert betrachten. In Zukunft wollen sie die Auswahl der Patien­tinnen verbessern.

Auch die Editorialisten David Azria und Claire Lemanski vom Institut du Cancer in Montpellier betonen, dass sich die intraoperative Radiotherapie nicht als Standard für alle Patientinnen nach Lumpektomie eignet, sondern nur für sorgfältig ausgewählte Patientinnen infrage käme.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER