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Medizin

Antibiotika machen Darmbakterien von Kindern resistent

Freitag, 15. November 2013

dpa

St. Louis – Der häufige Einsatz von Antibiotika in den ersten Lebensjahren verändert die Darmflora. Es bildet sich ein ausgeprägtes „Resistom“ heraus, wie Mikrobiologen in PloS ONE (2013; doi: 10.1371/journal.pone.0078822) herausgefunden haben.

In der bisher größten Untersuchung ihrer Art hat sich das Team um Gautam Dantas von der Washington University School of Medicine in St. Louis einen Überblick über die Verbreitung von 18 Antibiotika-Resistenzen in den Faeces von 22 Kindern im Alter von einem Monat bis 19 Jahre verschafft. Sie benutzten dabei die Methode der funktionellen Metagenomik. Diese sucht in der Stuhlprobe nicht nach bestimmten resistenten Bak­terien. Es wird vielmehr die gesamte DNA nach Resistenzgenen durchforstet, die dann in einem Gastorganismus (hier E. Coli) exprimiert und auf ihre Resistenz­eigenschaften hin untersucht werden.

Das Ergebnis war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Es wurden nicht nur sehr viele Resistenzen (gegen 14 von 18 untersuchten Antibiotika) gefunden. Die Resistenzen traten auch sehr früh auf. Schon im Alter von 12 Monaten besaßen Darmbakterien der Kinder Resistenzgene gegen die meisten Antibiotika. Darunter waren auch Resistenzen gegen Antibiotika, die die Kinder noch gar nicht erhalten hatten.

So hatten alle Kinder Resistenzgene gegen Chloramphenicol, das heute nicht mehr in der Therapie eingesetzt wird. Dantas vermutet, dass die Resistenzen bereits in den Bakterien vorhanden waren, als die Kinder sie in den ersten Lebensmonaten auf­nahmen. Bei der Geburt ist der Darm steril, er wird vom Mund her mit Bakterien besie­delt. Die Resistenzgene könnten auf den Chloramphenicol-Einsatz in der Landwirtschaft zurückzuführen sein (in den USA und Europa heute nicht mehr erlaubt) oder es handelt sich um Überbleibsel aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als Chloramphenicol ein wichtiges Breitbandantibiotikum war.

Noch erstaunlicher ist, dass einige Kinder Resistenzgene gegen Tigecyclin im Darm hatten. Dieses Antibiotikum war zum Zeitpunkt, als die Stuhlproben entnommen wurden, noch gar nicht auf dem Markt. Eine mögliche Erklärung könnten laut Dantas Kreuz­resistenzen zwischen Tetrazyklinen und Tigecyclin sein.

Ob von den Resistenzen eine Gefahr für die Gesundheit ausgeht, ist unklar. Solange die Resistenzgene auf die Darmbakterien beschränkt bleiben, sind keine Nachteile zu erwarten. Sie könnten sogar helfen, die Erholung der Darmflora nach einer Antibiotika­behandlung zu beschleunigen. Da Darmbakterien jedoch Gene austauschen, könnten Krankheitserreger die Resistenzeigenschaften aufschnappen, was die Therapie dann deutlich erschweren würde, wie Dantas befürchtet. © rme/aerzteblatt.de

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