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Medizin

Phthalate erhöhen Frühgeburtrisiko

Dienstag, 19. November 2013

dpa

Ann Arbor – Umweltmediziner aus den USA bringen Phthalate, die Kunstoffen als Weichmacher zugesetzt werden, mit Frühgeburten in Verbindung. In einer Fall-Kontroll­studie in JAMA Pediatrics (2013; doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.3699) hatten Schwangere mit der höchsten Urinkonzentration ein bis zu fünffach erhöhtes Risiko auf eine spontane Frühgeburt.

Phthalate sind in Plastikgegenständen, aber auch in Kosmetika und selbst in Medika­menten enthalten, von denen sie leicht freigesetzt werden. Praktisch alle Menschen nehmen Phthalate oral oder inhalativ auf, die dann im Urin nachweisbar sind. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind seit einigen Jahren Gegenstand von Studien, die die vermehrte Exposition zuletzt mit einer verminderten Spermienproduktion oder einem Misserfolg der In-Vitro-Fertilisation in Verbindung gebracht haben. Eine weitere Folge könnte ein erhöhtes Frühgeburtrisiko sein, wie Kelly Ferguson von der University of Michigan School of Public Health in Ann Arbor und Mitarbeiter herausgefunden haben.

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Das Team verglich die Konzentration einzelner Phthalate (beziehungsweise ihrer Stoffwechselprodukte) im Urin von 130 Schwangeren, deren Kind zu früh geboren wurde, mit 352  Schwangeren mit einer normalen Gestationsdauer. Einige Phthalate wie DEHP, MEHP, MBP oder MECPP waren vermehrt im Urin der Schwangeren mit Frühgeburt vorhanden. Ferguson ermittelte einen dosisabhängigen Anstieg. Frauen in der Quartile mit der höchsten Belastung hatten ein 3,52 bis 5,23-fach erhöhtes Risiko auf eine spontane Frühgeburt.

Das sind für Fall-Kontrollstudien ungewöhnlich deutliche Assoziationen, und da die Phthalate weit verbreitet sind, könnten sie im Fall einer Kausalität einen signifikanten Anteil der Frühgeburten erklären. Eine einzelne Studie liefert allerdings noch keinen Beweis, zumal mehrere kleinere Studien keinen sicheren Zusammenhang herstellen konnten und unterstützende tierexperimentelle Befunde fehlen. Völlig unklar ist, ob Schwangere durch den Verzicht auf Parfum, Deos und den vermehrten Verzehr von frischen Nahrungsmitteln das Frühgeburtrisiko senken könnten. © rme/aerzteblatt.de

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