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Medizin

Studie sieht pränatale Steroide als ADHS-Risiko

Montag, 25. November 2013

dpa

London – Die pränatale Gabe von Glukokortikoiden, eine etablierte Therapie bei drohender Frühgeburt, war in einer prospektiven Beobachtungsstudie in PloS ONE (2013; doi: 10.1371/journal.pone.0081394) mit späteren mentalen Auffälligkeiten im Grundschulalter und mit ADHS-Symptomen im Teenageralter assoziiert.

Die pränatale Gabe von Glukokortikoiden fördert die Lungenreifung und ist deshalb zur Prävention eines Atemnotsyndroms bei Frühgeburten seit langem Standard. Auch 37 von mehr als 9.000 Schwangeren, die 1986 für die Northern Finland Birth Cohort (NFBC) gewonnen werden konnten, waren wegen einer drohenden Frühgeburt mit Glukokor­tikoiden behandelt worden.

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Die Kinder wurden nach ihrer Geburt regelmäßig untersucht. Im Alter von 8 Jahren bewerteten die Grundschullehrer mit der Rutter B2-Skala das Verhalten der Kinder. Im Alter von 16 Jahren füllten die Mütter und die Teenager Fragebögen zur Aufmerk­samkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aus.

Das Team um Alina Rodriguez vom Imperial College London verglich zunächst die mentale Entwicklung der pränatal mit Steroiden exponierten Kinder mit 185 Kindern, die nach einer vergleichbaren Schwangerschaftsdauer mit vergleichbarem Gewicht geboren wurden, deren Mütter aber keine Steroide erhalten hatten. Danach führten sie einen Vergleich mit 6.079 Kindern der Kohorten durch, zu denen Daten vorlagen.

Im Alter von 8 Jahren zeigten die Kinder, die pränatal mit Glukokortikoiden exponiert waren, achtfach häufiger psychische Auffälligkeiten in der Bewertung der Lehrer. Auch Aufmerksamkeitsstörungen, ein mögliches ADHS-Symptom, wurde vermehrt registriert. Aufgrund der niedrigen Anzahl der exponierten Kinder waren die 95-Prozent-Konfidenz­intervalle jedoch sehr breit. Dies hatte zur Folge, dass die Ergebnisse der Unter­suchungen im Teenager-Alter nicht mehr signifikant waren.

Die Studie lässt deshalb Zweifel zu und das Ausmaß einer möglichen Störung lässt sich kaum abschätzen. Rodriguez hält Spätfolgen der ein- oder mehrmaligen antenatalen Exposition für biologisch plausibel. Tierexperimentelle Studien hätten gezeigt, dass das Gehirn zu diesem Zeitpunkt der Entwicklung sehr empfindlich auf Glukokortikoide rea­giere. Andere Forscher haben ähnliche Bedenken.

US-Forscher berichteten kürzlich, dass exponierte Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren einen dünneren Anterioren Cingulären Cortex haben, was sie mit Störungen in der emotionalen Entwicklung in Verbindung brachten (Biological Psychiatry 2013; 74: 647-55).

Die Befunde bleiben aber insgesamt vage und auch Rodriguez geht nicht so weit, dass sie von der pränatalen Steroidgabe abraten würde. Die Untersuchung könnte aber ein weiterer Grund zum zurückhaltenden Einsatz sein, nachdem kürzlich eine Studie in JAMA Pediatrics (2013; doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.2764) für die körperliche Entwicklung keine Vorteile einer wiederholten Gabe von Steroiden aufzeigen konnte. Eine frühere Publikation in Lancet (2008; 372: 2143-2151) hatte vor Störungen des fetalen Wachstums gewarnt. © rme/aerzteblatt.de

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