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Medizin

Pertussis: Übertragung trotz erfolgreicher Impfung möglich

Dienstag, 26. November 2013

Bordetella pertussis /dpa

Bethesda – Die heute verwendeten azellulären Keuchhusten-Impfstoffe hinterlassen offenbar eine lückenhafte Immunität. Sie verhinderten in tierexperimentellen Studien in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2013; doi: 10.1073/pnas.1314688110) zwar eine schwere Erkrankung, nicht aber die Besiedlung der Rachenschleimhaut mit Krankheitserregern, die sogar auf andere Tiere übertragen werden konnten. Die Studie stellt deshalb die durch die Impfung angestrebte Herdenimmunität infrage.

In den meisten Ländern ist es in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Keuchhusten­erkrankungen gekommen. In den USA erkrankten 2012 schätzungsweise 42.000 Menschen, die höchste Zahl seit mehr als 50 Jahren. Verantwortlich gemacht wurde vor allem die zeitlich begrenzte Immunität der Impfung (weshalb inzwischen eine zweite Auffrischung im Teenager-Alter empfohlen wird).

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Die Forschungsergebnisse, die das Team um Tod Merkel vom Office of Vaccines Research and Review der US-Arzneibehörde FDA jetzt vorstellt, liefern eine weitere Erklärung. Es erscheint möglich, dass die Impfung nur die Erkrankung, nicht aber die Infektion verhindert. Damit entfiele eine Barriere gegen Epidemien. Normalerweise verhindert eine hohe Impfquote, dass sich Krankheitserreger in einer Population ausbreiten. Epidemiologen sprechen von einer Herdenimmunität.

Sie wird nach den Experimenten, welche die FDA an Pavianen durchgeführt hat, möglicherweise nicht erzielt. Das Team um Merkel impfte junge Paviane im Alter von 2, 4 und 6 Monaten gegen Pertussis. Es verwendete dabei nicht nur die heute verwendete azelluläre Vakzine, sondern auch den älteren Pertussis-Ganzkeimimpfstoff. Er wird heute nicht mehr eingesetzt, nachdem es (in seltenen Fällen) Berichte über neurologische Komplikationen bis hin zu Enzephalopathien gegeben hatte.

Seit den 90er Jahren (in Deutschland ab 1994) wurde der Ganzkeimimpfstoff durch azelluläre Vakzinen (inzwischen vollständig) ersetzt. Die azellulären Impfstoffe sind zwar besser verträglich – hinterlassen aber bekanntermaßen eine schwächere Immunität.

Bislang gingen die Forscher davon aus, dass die schwächere Immunität eine Kolonisation der Rachenschleimhaut verhindert. Dies war aber in den Experimenten der FDA nicht der Fall. Die Exposition mit dem Erreger Bordetella pertussis führte im Alter der Tiere von 7 Monaten zu einer Infektion mit Nachweis der Bakterien auf der nasopharyngealen Schleimhaut. Die Tiere entwickelten sogar eine Leukozytose und leichte Symptome. Von einer schweren Keuchhustenerkrankung blieben sie zwar verschont, sie konnten die Keime jedoch auf andere nicht-geimpfte Tiere übertragen.

Der Ganzkeimimpfstoff hinterließ dagegen einen effektiven Impfschutz bei den Tieren, der weitgehend dem einer Wildtyp-Infektion entsprach. Immunologisch scheint der mangelnde Impfschutz auf der Ebene der zellulären Immunität zu suchen zu sein. Die azelluläre Vakzine induziert eine robuste Antikörperantwort, die in klinischen Studien Grundlage der Bewertung ist. Es fehlte allerdings die Bildung von B. pertussis-spezifischen T-Helfer-Gedächtniszellen.

Stattdessen wurde eine Th1/Th2-Antwort induziert, die offenbar eine Kolonisation nicht verhindert. Die Studie liefert laut Merkel eine neue plausible Erklärung für das Wiederauftreten von Keuchhusten-Epidemien in den letzten Jahren. Die derzeitigen azellulären Impfstoffe sollten deshalb nach Einschätzung der FDA-Wissenschaftler verbessert werden. Von der Wiedereinführung der Ganzkeimimpfstoffe ist nicht die Rede, da die derzeitigen Impfstoffe geimpften Personen ja einen (weitgehenden) Schutz vor einer Erkrankung gewähren. © rme/aerzteblatt.de

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