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Medizin

Rosiglitazon: FDA lockert Restriktionen zum Diabetesmittel

Dienstag, 26. November 2013

Rockville – US-Ärzte dürfen Diabetesmedikamente mit dem umstrittenen Wirkstoff Rosiglitazon künftig wieder verschreiben, ohne die Patienten für eine „Risk Evaluation and Mitigation Strategy“ (REMS) anzumelden. Die Aufhebung der Restriktionen erfolgt nach einer unabhängigen Analyse von Studiendaten und auf Anraten von externen Beratern, die den Insulin-Sensitizer im Juni weitgehend von Vorwürfen freigesprochen hatten.

Die Bedenken gründeten sich auf eine Meta-Analyse des US-Kardiologen Stephen Nissen von der Cleveland Clinic, die Rosiglitazon mit einem um 43 Prozent erhöhten Herzinfarktrisiko in Verbindung gebracht hatte (NEJM 2007; 356: 2457-2471). Der Hersteller konterte mit den Ergebnissen der Studie „Rosiglitazone Evaluated for Cardiovascular Outcomes and Regulation of Glycemia in Diabetes“ (RECORD), in der kein signifikantes Risiko erkennbar war (Lancet 2009; 373: 2125-2135).

Dies vermochte die Arzneimittelagenturen jedoch nicht zu überzeugen, zumal Nissen seine Meta-Analyse inzwischen erweitert hatte (Archives of Internal Medicine) (2010; 170: 1191-1201) und auch ein FDA-Mitarbeiter Rosiglitazon ein ungünstigeres Nutzen-Risiko-Verhältnis bescheinigt hatte als Pioglitazon aus der gleichen Wirkstoffgruppe der Thiazolidinedione (“Glitazone”).

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Im September 2010 empfahl die EMA die Marktrücknahme, während sich die FDA auf ein REMS beschränkt. Das Rosiglitazone REMS-Programm erschwerte allerdings die Verordnung, so dass die meisten Ärzte auf andere Wirkstoffe auswichen. Der einstige „Blockbuster“ Avandia, mit dem GlaxoSmithKline 2006 weltweit noch 3,1 Milliarden US-Dollar umgesetzt hatte, wurde 2007 in den USA nur noch wenigen tausend Patienten verschrieben.

Der Hersteller war indes stets bei seiner Einschätzung geblieben, nach welcher Avandia eine sichere und wirksame Therapie des Typ 2-Diabetes ermöglicht, „wenn es ange­messen eingesetzt wird“, was GlaxoSmithKline jetzt erneut in einer Stellungnahme betonte. Die FDA hatte 2010 eine Überprüfung der RECORD-Studie angekündigt, mit der das Duke Clinical Research Institute (DCRI) in Durham/North Carolina beauftragt wurde.

Die RECORD-Studie war seinerzeit von der EMA in Auftrag gegeben worden. In der offenen randomisierten Studie waren 4.447 Patienten auf Metformin plus einem Sulfonylharnstoff oder auf Rosiglitazon plus Metformin oder einem Sulfonylharnstoff randomisiert worden. In der Original-Publikation war es im Rosiglitazon-Arm zu einem leichten, statistisch aber nicht signifikanten Anstieg im primären Endpunkt „Hospita­lisierung oder Tod an Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ gekommen. Nach der Überprüfung wurde das Ergebnis leicht zugunsten des Rosiglitazon-Arms verschoben.

Laut der FDA kam es unter der Therapie mit dem umstrittenen Mittel jetzt zu weniger kardiovaskulären Todesfällen und zu weniger Todesfällen infolge Schlaganfall oder infolge Herzinfarkt. Es habe auch weniger nichttödliche Schlaganfälle gegeben und die Gesamtsterblichkeit war niedriger als im Vergleichsarm, in dem die Patienten mit Metformin plus Sulfonylharnstoff behandelt wurden. Dort gab es einzig im Endpunkt nicht-tödliche Herzinfarkte einen leichten Vorteil. Die Unterschiede verfehlten wie in der Originalpublikation die statistische Signifikanz, doch die Tendenz wies jetzt in eine andere, günstige Richtung.

Für die FDA war dies Anlass die Restriktionen weitgehend aufzuheben. Die Anwendung wird nicht länger auf bestimmte Patienten beschränkt, sondern steht allen Patienten mit Typ 2-Diabetes offen. Vor allem aber werden die bürokratischen Hürden fallen, die mit der Registrierung der Patienten in einem REMS verbunden waren. Die FDA entbindet den Hersteller zudem von der Pflicht, eine geplante Anwendungsstudie durchzuführen. In der „Thiazolidinedione Intervention with Vitamin D Evaluation“ (TIDE) sollte Avandia mit dem Konkurrenzpräparat Actos (Wirkstoff Pioglitazon verglichen werden.

Unklar ist derzeit, ob die EMA ihre Einschätzung revidieren wird. Experten rechnen nicht damit, dass Rosiglitazon noch einmal zu einem häufig verordneten Medikament aufsteigen wird. Der Hersteller dürfte das Präparat abgeschrieben haben, zumal der Patentschutz abgelaufen ist und Generikahersteller jederzeit auf den Zug aufspringen könnten, sollten die Verordnungen deutlich ansteigen. © rme/aerzteblatt.de

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