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Medizin

Thalidomid lindert refraktären Morbus Crohn bei Kindern

Mittwoch, 27. November 2013

Triest – Bei Kindern und Jugendlichen mit Morbus Crohn, die auf bisherige Medikamente nicht ansprechen, kann das Immunsuppressivum Thalidomid häufig eine langdauernde Remission erzielen, wie eine randomisierte Studie in JAMA (2013; doi: 10.l001/jama.2013.280777) zeigt.

Thalidomid, dessen teratogene Nebenwirkungen mit dem größten Arzneimittelskandal der deutschen Geschichte verknüpft sind, hat die Fachwelt in den letzten Jahren durch eine starke „immunmodulatorische“ Wirkung beeindruckt. In den USA wurde es zur Behandlung des Erythema nodosum bei Leprakranken eingeführt, in Deutschland gehört es bei älteren Patienten zur Erstlinientherapie beim multiplen Myelom.

Eine gute Wirkung wurde auch bei entzündlichen Erkrankungen der Schleimhäute beobachtet, die auf andere Medikamente nicht ansprechen. Beispiele sind die Stomatitis beim Behçet-Syndrom oder Ösophagusulzera bei HIV-Infizierten. Berichte über positive Wirkungen beim Morbus Crohn haben deshalb Pädiater in Italien zu einer randomisierten Studie bei Kindern und Jugendlichen mit Morbus Crohn bewogen.

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Die entzündliche Darm­er­krank­ung beginnt in einem Viertel der Fälle vor dem Erwachse­nenalter. Sie nimmt dann häufig einen schweren therapierefraktären Verlauf, so auch bei 56 pädiatrischen Patienten, die Marzia Lazzerini vom IRCCS materno infantile, einer Kinderklinik in Triest zusammen mit fünf weiteren Kliniken in ihre  Studie einschloss. Bei allen Kindern war es unter einer maximaldosierten Therapie mit Steroiden und starken Immunsuppressiva sowie dem Biologikum Infliximab nicht zu einer Remission gekommen.

Unter der Gabe von Thalidomid erreichten dies dann 13 von 28 Patienten (46,4 Prozent), während es in der Placebo-Vergleichsgruppe nur bei 3 von 26 Kindern (11,5 Prozent) zu einer Besserung kam (gemessen an einem Anstieg des Pediatric Crohn Disease Activity Index oder PCDAI-Score). Die Nicht-Responder im Placebo-Arm wurden mit Thalidomid weiterbehandelt, woraufhin 11 von 21 Patienten (52,4 Prozent) eine Remission erreichten.

Die Wirkung von Thalidomid setzte häufig erst nach mehreren Wochen ein. Am Ende wurde jedoch bei zwei von drei Patienten eine Remission erzielt. Sie dauert im Mittel 181 Wochen, während es bei den seltenen Remissionen unter Placebo schon nach 6,3 Wochen zum Rückfall kam.

Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl ist eine abschließende Bewertung noch nicht möglich, schreibt Lazzerini. Dies betrifft insbesondere die langfristige Verträglichkeit des Wirkstoffs. Häufigste schwere Nebenwirkung war eine periphere Neuropathie, die einen Therapieabbruch erzwingen kann. Die Inzidenz steigt mit der kumulativen Dosis des Wirkstoffs, was dem Einsatz von Thalidomid bei pädiatrischen Patienten enge Grenzen setzen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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