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Medizin

Effekt von Irisin wohl überschätzt

Donnerstag, 28. November 2013

Saarbrücken – Das Hormon Irisin eignet sich wahrscheinlich nicht für die Therapie von Übergewichtigen. Das berichten Sportmediziner der Universität des Saarlandes im Magazin BMC Medicine (doi:10.1186/1741-7015-11-235) und stellen damit Schluss­folgerungen einer Studie in Frage, die Harvard-Forscher vor rund zwei Jahren im Fachmagazin Nature veröffentlicht haben (doi:10.1038/nature10777).

„Der Botenstoff Irisin wurde von den US-Kollegen in hohem Maß für den Nachbrenneffekt verantwortlich gemacht. Damit meint man das Phänomen, dass der Körper auch nach einer sportlichen Betätigung Energie verbraucht und im Ruhezustand zusätzliche Kalo­rien verbrennt“, erläutert Anne Hecksteden, Wissenschaftlerin am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Uni.

Man habe Irisin daraufhin als neues „Sport-Hormon“ gefeiert, das eines Tages möglicherweise als Wirkstoff eingesetzt werden könnte, um Menschen auch ohne Sportprogramm vor Fettleibigkeit und Diabetes zu schützen. „Diese Erkenntnisse basierten aber vor allem auf Experimenten an Mäusen und lebenden Zellen im Reagenzglas. Eine Untersuchung mit Testpersonen, die in dem Nature-Artikel der US-Forscher auch zitiert wurde, war wegen der geringen Teilnehmerzahl und der fehlenden Kontrollgruppe weniger überzeugend“, so Hecksteden.

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Die Saarbrücker Sportmediziner überprüften die US-amerikanischen Schlussfolgerungen anhand von Daten einer Trainingsstudie mit über 250 Versuchspersonen im Saarland. Bei der „Saarländischen Ausdauer-Etappe“ (Sause) haben die trainierenden Teilnehmer ein halbjähriges Trainingsprogramm absolviert und wurden anschließend mit einer zufällig ausgewählten Kontrollgruppe verglichen, die ihren vorherigen Lebensstil beibehalten hatte.

„Wir haben anhand dieser Daten aus der Sause-Studie nachweisen können, dass sich der Botenstoff Irisin durch sportliche Aktivitäten längst nicht so eindeutig erhöht wie es die amerikanischen Forscher behauptet haben. Ihre Ergebnisse aus Versuchen an Zellkulturen und Mäusen lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen“, berichtet Hecksteden über die Ergebnisse.

Die höheren Werte, die bei den Versuchspersonen der US-Wissenschaftler nach sportlicher Betätigung aufgetreten waren, führt Anne Hecksteden auf Veränderungen in den gelagerten Blutproben zurück. „Irisin ist in den Serumproben nicht stabil. Das mussten auch wir bei unseren Auswertungen feststellen. Wenn Blut längere Zeit im Gefrierschrank gelagert wird, verändert sich dieses, so dass man bei der Auswertung der Proben genau darauf achten muss, ob es zwischen Eingangs- und Abschlusstest einen Unterschied in der Lagerungsdauer gegeben hat“, erläutert die Sportmedizinerin.

Das US-Team um Bruce Spiegelman vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston hatte in dem Nature-Artikel dargelegt, dass Irisin auf die Fettzellen im Körper einwirkt und deren Stoffwechsel so beeinflusst, dass so genannte weiße Fettzellen in braune Fettzellen verwandelt werden. Diese bauen das Fett ab und wandeln die zuvor gespeicherten Kalorien in Wärme um. © hil/aerzteblatt.de

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