Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Cholesterin-Meta­bolit fördert Brustkrebs

Freitag, 29. November 2013

dpa

Dallas/Durham – Oxysterol, ein Abbauprodukt des Cholesterinstoffwechsels mit östro­genartigen Eigenschaften, fördert in Laborexperimenten und in tierexperimentellen Studien das Brustkrebswachstum. Die jetzt in Science (2013; 342: 1094-1098) und Cell Reports (2013; 5: 637-645) veröffentlichten Ergebnisse liefern eine neue Erklärung für die bekannte Assoziation von Adipositas und Mammakarzinom und könnten Anlass zu neuen therapeutischen Überlegungen sein.

Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass das erhöhte Brustkrebsrisiko von adipösen Frauen (insbesondere nach der Menopause) Folge einer vermehrten Östrogensynthese im Fettgewebe ist. Auch die wachstumsfördernde Wirkung der gesteigerten Insulinproduktion beim metabolischen Syndrom soll eine Rolle spielen. Eine Reihe von epidemiologischen Studien lenkte in den letzten Jahren den Verdacht in eine neue Richtung.

Danach könnte ein erhöhter Cholesterinspiegel ein unabhängiger Risikofaktor für das Mammakarzinom sein. Eine Studie aus Dänemark kam sogar zu dem Ergebnis, dass Frauen, die – aus anderen Gründen – mit Statinen behandelt wurden, seltener an Brustkrebs erkrankten. Auf 100 Simvastatin-Anwenderinnen kamen in zehn Jahren 10 Brustkrebserkrankungen weniger (Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2011; 103: 1461–1468).

Eine biologisch plausible Erklärung für diese Befunde lieferte vor einiger Zeit Philip Shaul vom Southwestern Medical Center in Dallas. Er konnte zeigen, dass Oxysterol (27-hydroxy-Cholesterin, 27HC), der primäre Metabolit von Cholesterin, in verschiedenen Geweben am Östrogenrezeptor bindet. Jetzt berichtet sein Team, dass 27HC das Wachstum von Brustkrebszellen stimuliert – zuerst in Petrischalen, danach aber auch in einem Tiermodell der Erkrankung.

27HC fördert sogar die Metastasierung des Tumors. In Gewebeproben von Brustkrebspatientinnen korrelierte die 27HC-Konzentration mit der Aggressivität des Tumors. Sie wurde noch durch einen Mangel des P450-Enzyms CYP7B1 gesteigert. Es ist in der Leber für den Abbau von 27HC zuständig und bei einem Mangel steigt die 27HC-Konzentration.

Wünschenswert wäre dagegen eine Senkung der 27HC-Konzentration. Dies lässt sich durch die Hemmung von CYP27A1, einem weiteren P450-Enzym erreichen. CYP27A1 metabolisiert in der Leber Cholesterin in 27HC, steigert also den Pool der krebs­fördernden Substanz. Das Team um Donald McDonnell von der Duke University in Durham/North Carolina hat Mäuse mit einem experimentellen CYP27A1-Inhibitor behandelt und dadurch das Brustkrebswachstum bei Mäusen gebremst.

Eine zweite Möglichkeit, die Konzentration von 27HC zu senken, wäre möglicherweise eine fettarme Kost – oder die Einnahme von Cholesterinsenkern. McDonnell konnte zunächst zeigen, dass eine fettreiche Kost das Brustkrebswachstum um 30 Prozent beschleunigt. Die gleichzeitige Gabe von Atorvastatin verhinderte dies. Die Tiere wurden dick, erkrankten jedoch nicht an Brustkrebs.

Dass ein Statin (oder auch eine Diät) auch beim Menschen eine brustkrebspräventive Wirkung hätte, lässt sich aus den tierexperimentellen Ergebnissen natürlich nicht ableiten. Ohne eine überzeugende Evidenz aus klinischen Studien dürfte es in dieser Richtung keine Empfehlung geben. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19.05.17
Brustkrebs: G-BA sieht bislang keinen Zusatznutzen von Palbociclib
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat auf der Grundlage der bisherigen Studienergebnisse für den Wirkstoff Palbociclib zur Behandlung von Frauen mit hormonsensiblem, metastasiertem......
12.05.17
Brustkrebs: Tai Chi lindert therapiebedingte Schlafstörungen
Los Angeles – Tai Chi, eine chinesische Variante der Gymnastik mit langsamen meditativen Bewegungen, hat in einer randomisierten Studie im Journal of Clinical Oncology (2017; doi:......
21.04.17
Brustkrebs: Bundes­aus­schuss aktualisiert Disease-Manage­ment-Programm
Berlin – Der Gemeinsame Bundessausschuss (G-BA) hat das Disease-Management-Programm (DMP) zum Brustkrebs einstimmig aktualisiert. Dabei werden vor allem neuste medizinische Erkenntnisse für die......
29.03.17
Mastektomie: Immer mehr Frauen entscheiden sich für prophylaktischen Eingriff
Atlanta – Junge Frauen mit lokal invasivem Krebs in einer Brust lassen sich zunehmend häufiger prophylaktisch auch die andere, gesunde Brust abnehmen. Bei etwa jeder dritten Brustkrebspatientin in den......
22.03.17
Brustkrebs: Warum Rauchen die Vorteile einer Radiotherapie infrage stellen könnte
Oxford – Rauchen steigert die Gefahr, nach einer Radiotherapie des Mammakarzinoms an Lungenkrebs oder Herzversagen zu sterben. Das Zusatzrisiko könnte laut einer Studie im Journal of Clinical Oncology......
15.03.17
Brustkrebs: Mehr Patientinnen könnten von PARP-Inhibitor profitieren
Cambridge/Hinxton – Ein bis fünf Prozent der Patienten mit einem Mammakarzinom können von einer Therapie mit poly(ADP-ribose) Polymerase (PARP) Inhibitoren profitieren. Ursache für die personalisierte......
02.03.17
Köln – Der Zusatznutzen von des Wirkstoffes Palbociclib (Handelsname Ibrance) für Frauen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs ist nicht belegt. Zu diesem Ergebnis kommt das......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige