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Medizin

Descensus genitalis: Beckenbodentraining in Studie erfolgreich

Sonntag, 1. Dezember 2013

Glasgow – Das Beckenbodentraining gehört zu den konservativen Behandlungs­methoden bei Vaginalprolaps, deren Wirksamkeit kaum untersucht ist. Ein individuelles Training erzielte in einer randomisierten Studie im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)61977-7) eine Wirkung, von der die betroffenen Frauen mehr überzeugt waren als die behandelnden Ärzte.

An der „Pelvic Organ Prolapse PhysiotherapY“ oder POPPY-Studie nahmen an 25 Zentren aus Großbritannien, Australien und Neuseeland 447 Frauen mit einem Descensus genitalis im Stadium I bis III teil, was nach dem POP-Q-Score alle Formen eines inkompletten Prolaps umfasst.

Die Hälfte der Frauen erhielten fünf „one-to-one“-Unterweisungen im Beckenboden­training, die über 16 Wochen verteilt wurden. Die Frauen wurden nicht nur angewiesen, dreimal am Tag 50 Kontraktionen durchzuführen, sie lernten auch, gezielt auf Situationen zu reagieren, in denen es zu einem Anstieg des intraabdominalen Drucks und dadurch zum Malheur kommen kann.

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Primärer Endpunkt der Studie war die Zahl der Prolapssymptome nach 12 Monaten. Wie Suzanne Hagen von der Universität Glasgow und Mitarbeiter jetzt berichten, senkte das Beckenbodentraining den Symptom-Score POP-SS (pelvic organ prolapse symptom score) gegenüber der Kontrollgruppe um 3,77 Punkte. Da es auch in der Vergleichs­gruppe zu einer Verbesserung um 2,09 Punkte kam, beträgt der Unterschied nur etwas mehr als 1,5 Punkte.

Das mag bei einem Gesamtscore von 0 bis 28 Punkten gering erscheinen. Doch mehr als die Hälfte der Frauen war nach 12 Monaten der Ansicht, dass sich die Situation gebessert habe (57 versus 45 Prozent), und nur halb so viele Frauen wie in der Kontrollgruppe hatten weitere Behandlungen erhalten (24 versus 50 Prozent).

Dieser Unterschied war allerdings nur auf die geringere Inanspruchnahme weiterer Physiotherapien (1 versus 27 Prozent) zurückzuführen. Die wesentliche Qualität des Beckenbodentrainings könnte deshalb in einem „Empowerment“ der betroffenen Frauen bestehen, die gelernt haben, ihre Probleme ohne fremde Hilfe zu bewältigen.

Der Anteil der Frauen, die sich für eine Operation entschieden (11 versus 10 Prozent) war in beiden Gruppen gleich. Auch in der Einstufung im objektiven POP-Q-Score gab es am Ende keine Unterschiede. Die Möglichkeiten, den Krankheitsprozess durch das Beckenbodentraining insgesamt aufzuhalten, scheinen deshalb begrenzt zu sein. © rme/aerzteblatt.de

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