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Medizin

Hüftprothetik: Studie sieht Überlebensvorteil nach Resurfacing

Sonntag, 1. Dezember 2013

dpa

Oxford – Resurfacing-Hüftprothesen gelten als unzuverlässig, und Metall-auf-Metall-Gleitflächen sind wegen ihres Abriebs in der Diskussion. Eine retrospektive Kohor­tenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013;347:f6549) kommt jetzt jedoch überraschend zu dem Ergebnis, dass Resurfacing-Hüftprothesen mit Metall-auf-Metall-Gleitflächen mit einer signifikant niedrigeren Mortalitätsrate assoziiert sind als Totalendoprothesen.

Das Team um Andrew Judge von der Universität Oxford hat die Daten von Patienten, die nach April 1999 an englischen Kliniken einen Hüftersatz erhalten haben, mit den Sterberegistern in Beziehung gesetzt. Sie verglichen einmal die Daten von 7,437 Patienten, die eine Resurfacing-Prothese mit Metall-auf-Metall-Gleitflächen erhalten hatten, mit 22.311 Patienten mit zementierter Totalendoprothese.

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Die kumulative 10-Jahresmortalität war mit 3,6 Prozent nach Resurfacing deutlich niedriger als nach einer zementierten Totalendoprothese, wo 6,1 Prozent der Patienten verstorben waren. Auch ein zweiter Vergleich mit Trägern von nicht-zementierten Prothesen fiel für Träger von Metall-auf-Metall-Resurfacing-Prothesen günstig aus: Die kumulative Mortalität war mit 3,0 versus 4,1 Prozent geringer.

Einen nahe liegenden Einwand kann Judge entkräften. Resurfacing-Prothesen werden auch in England überwiegend bei jüngeren „aktiven“ Männern implantiert, die per se eine höhere Lebenserwartung haben als Patienten, denen zu einer Totalendoprothese geraten wird. Doch auch nach der Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Komorbidität, Wohnort, Sozialstand, Operationsvolumen der Klinik und Jahr der Operation hatten die Träger von Resurfacing-Prothesen eine um 49 Prozent niedrigere Mortalität als die Träger von Zement-Endoprothesen und eine um 45 Prozent niedrigere Mortalität als die Träger von zementfreien Endoprothesen.

Über die Ursache kann nur spekuliert werden. Judge weist darauf hin, dass durch die Manipulation am Knochen – der Markkanal wird aufgebohrt, gefeilt und gereinigt – kleine Embolisierungen ausgelöst werden können (die in einer Studie sogar in einer transöso­phagealen Echokardiographie sichtbar wurden). Bei einer Befestigung mit Knochenzement könne es unter der Operation zu einer Kreislaufreaktion mit Blutdruckabfall, Hypoxie und Herzrhythmusstörungen kommen, berichtet Judge.

Ob dies allerdings langfristig die Prognose der Patienten verschlechtert, kann aus einer retrospektiven Studie nicht geschlossen werden, wie Judge eingesteht. Für einen fairen Vergleich müssten zu dieser Frage eigentlich randomisierte klinische Studien durchgeführt werden, meinte er. © rme/aerzteblatt.de

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