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Medizin

Darmkrebs: Krebsstammzellen als therapeutischer Angriffspunkt

Montag, 2. Dezember 2013

Toronto – Die Blockade eines Gens in Tumorstammzellen hat in Laborversuchen und tierexperimentellen Studien in Nature Medicine (2013; doi: 10.1038/nm.3418) das Fortschreiten von kolorektalen Karzinomen blockiert. Die Therapie könnte für mehr als die Hälfte aller Darmkrebspatienten infrage kommen, die das entsprechende Stamm­zellgen bilden. Klinische Studien sind vorerst noch nicht geplant.

Das Konzept der Tumorstammzellen geht davon aus, dass nicht alle Krebszellen gleich sind. Während die Masse der Zellen durch Mitosen für das Wachstum des Tumors verantwortlich ist, gibt es im Hintergrund einige „schlafende“ Stammzellen, aus denen sich der Tumor auch dann erneuern kann, wenn die meisten Krebszellen durch Zytostatika vernichtet wurden. Tumorstammzellen gelten deshalb als ein Grund für Tumorrezidive.

Der Biologe John Dick von der Universität Toronto hat Tumorstammzellen erstmals 1994 bei Leukämien entdeckt. Im Jahr 2007 hat er sie auch beim Kolorektalkarzinom beschrieben. Der beste Beweis für ihre biologische Bedeutung wäre eine Therapie, die den Tumor durch einen Angriff auf die Tumorstammzellen vernichtet. Einen möglichen Angriffspunkt sieht Dick in dem Protein BMI-1, das zuerst in hämatopoetischen Stamm­zellen entdeckt wurde, wo es die Selbsterneuerung der blutbildenden Zellen sicherstellt.

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Das Protein BMI-1 ist aber auch in einigen intestinalen Epithelien nachweisbar, wo es für die Regeneration der Darmschleimhaut benötigt wird. Ohne BMI-1 kommt es schnell zum Verlust der Darmkrypten. Die neuesten Untersuchungsergebnisse des Forschers zeigen, dass BMI-1 auch in Darmkrebszellen aktiv ist (die sich von Zellen der Darmschleimhaut herleiten).

Die kanadischen Forscher können jetzt zeigen, dass menschliche Krebszellen auf Dauer ihre Fähigkeit zur Selbsterneuerung verlieren, wenn das Gen für BMI-1 ausgeschaltet wird. Dieser Ansatz erfordert allerdings eine Gentherapie, die auf absehbare Zeit nur in Zellkulturen möglich sein wird. Ein für die Behandlung  von Krebserkrankungen realistischer Ansatz wäre ein Medikament, dass die Bildung von BMI-1 in Zellen blockiert.

Eine solches Molekül haben die kanadischen Forscher mithilfe der GEMS-Technologie (Gene Expression Modulation by Small-Molecules) gefunden. Sie überprüft die Fähig­keiten von Molekülen, die Expression von Genen zu hemmen. Bei einem Screening verschiedener Moleküle stießen die Forscher auf PTC-209. Der potenzielle Wirkstoff wurde zunächst an Zellkulturen und dann an immunsupprimierten Mäusen untersucht, denen die Forscher menschliche Darmkrebszellen transplantiert haben. In beiden Fällen verloren die Tumoren auf Dauer die Fähigkeit zur Selbsterneuerung.

Ob die Therapie auch beim Menschen funktionieren würde, ist bislang nicht untersucht worden. Der Erfolg dürfte wesentlich davon abhängen, dass PTC-209 die Stammzellen der intestinalen Mukosa (oder auch nach anderer Gewebe) verschont. Dies war den Forschern zufolge bei den Mäusen der Fall. Die Experimente befinden sich jedoch noch in einem frühen Stadium. Im Vorfeld klinischer Studien dürften noch weitere Behand­lungs­versuche bei Mäusen und anderen Tieren notwendig werden. © rme/aerzteblatt.de

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