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Medizin

Masern drohen in Deutschland endemisch zu werden

Montag, 2. Dezember 2013

Berlin – Deutschland hat sich mit den jüngsten Ausbrüchen wieder von dem Ziel einer Elimination der Masern ent­fernt. Die genetische Analyse der Viren im Epidemiologischen Bulletin (2013; 48: 485-491) lässt sogar befürchten, dass die Masern in Deutschland wieder ende­misch werden. Die häufigen Erkran­kungen im Säuglingsalter zeigen, dass auch die Herdenimmunität durchlässig ist.

Die aktuelle Epidemie, die in Ostdeutsch­land und Oberbayern noch anhält, begann Anfang Februar. Das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass die Viren auf der Fruit Logistica, die vom 6. bis 8. Februar (Woche 6) in Berlin stattfand, eingeschleppt wurden, vielleicht aus dem europäischen Ausland (Türkei, Rumänien, Großbritannien) oder aus dem Libanon, wo die Virusvariante „D8-Frankfurt am Main“ (D8-FM) schon vorher zirkulierte.

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Diese Variante wurde bei den großen Ausbrüchen, zu denen es nach der Messe in Berlin-Brandenburg und in Bayern und später auch in anderen Bundesländern kam, nachgewiesen. Das Robert Koch-Institut registrierte nicht weniger als 213 Ausbrüche. Die Transmissionskette sei seit mittlerweile 37 Wochen nicht abgerissen, schreiben die Epidemiologen aus Berlin. Ab einer Dauer von einem Jahr (52 Wochen) spricht die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) von einer endemischen Situation, was mit dem Eliminationsziel nicht vereinbar ist. Die WHO wollte Europa bis zum Jahr 2015 zur masernfreien Zone erklären.

Derzeit sieht es eher so aus, als käme es in Deutschland alle zwei bis drei Jahre (2006, 2008, 2011, 2013) zu einer kleinen Epidemie mit in diesem Jahr 22,4 Fällen auf eine Million Einwohner in der alten Bundesrepublik und 13,4 auf 1 Million Einwohner in den neuen Bundesländern. In beiden Regionen liegen die Zahlen deutlich über dem WHO-Ziel von einer dauerhaften Masern-Inzidenz von jährlich weniger als ein Fall auf eine Million Einwohner.

Betroffen sind vor allem Säuglinge und Erwachsene. Die Säuglinge infizieren sich vor dem Abschluss der Impfung (die von vielen Eltern hinausgezögert wird). Ihnen fehlt einmal der Nestschutz von den Müttern, die immer häufiger nicht geimpft sind und deshalb keine Antikörper auf die Kinder übertragen können.

Zum anderen ist die Herdenimmunität lückenhaft, da die Impfquote unter der 95-Prozent-Grenze liegt, die eine Ausbreitung der Masern in der Gesellschaft verhindern könnte. Säuglinge laufen Gefahr, an einer subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) zu sterben, deren Inzidenz das Robert Koch-Institut aufgrund einer kürzlich vorgestellten Untersuchung auf 1 : 1.000 bis 1:5.000 Masern-Erkrankungen nach oben korrigiert hat. Da die SSPE erst nach einer jahrelangen Latenz auftritt, kann derzeit niemand sagen, ob Patienten, die sich in diesem Jahr angesteckt haben, daran erkranken werden.

9 Prozent der an Masern Erkrankten sind 40 Jahre oder älter
Die andere betroffene Altersgruppe sind Jugendliche und Erwachsene. Bundesweit waren 39 Prozent der 2013 an Masern Erkrankten über 20 Jahre alt, in Berlin lag der Anteil sogar bei 45 Prozent. Bundesweit sind rund 9 Prozent der Erkrankten 40 Jahre oder älter. Die Masern sind in Deutschland schon lange keine ausschließliche Kinderkrankheit mehr. Auf die Altersgruppe der über 40-jährigen entfällt die einzige in diesem Jahr dokumentierte Masern-Enzephalitis, die am meisten gefürchtete Akutkomplikation der Masern. Der Anteil aller schweren Komplikationen nimmt mit dem Alter zu. So wurden 43 Prozent der 20- bis 24-Jährigen und etwa 52 Prozent der 25- bis 39-Jährigen wegen Masern in einem Krankenhaus behandelt.

Die Erwachsenen sind die Hauptzielgruppe für die Impfbemühungen. Die nach 1970 Geborenen wissen laut Umfragen zu über 80 Prozent nicht, dass sie sich nachimpfen lassen sollten. Die Impfquoten bei den Kindern sind dagegen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegen zum Zeitpunkt der Einschulung in einem für das Robert Koch-Institut zufriedenstellenden Bereich.

Der Anteil der Eltern, die Impfungen explizit ablehnen, liege in Deutschland nur bei etwa einem Prozent, heißt es. Sehr viel häufiger seien Impfskeptiker, deren Anteil bei 35 Prozent liege. Die Masern gehörten hier jedoch zu den seltener infrage gestellten Impfungen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #88255
doc.nemo
am Mittwoch, 4. Dezember 2013, 12:58

@dr.peter


Jeder Mensch hat das nicht unbeträchtliche Risiko, an Autoimmunerkrankungen, Allergien, Demenz, Nahrungsmittellunverträglichkeiten und Depressionen zu erkranken, und Impfungen ändern nichts, aber auch rein gar nichts an diesen Risiken. Wenn Sie sich vor Aluminium, Quecksilber , Formaldehyd und anderen "Giftstoffen" (siehe Paracelsus) schützen wollen, stellen Sie am besten Ihre komplette Ernährung ein. Und das Atmen gleich dazu.
Avatar #669514
dr.peter
am Dienstag, 3. Dezember 2013, 18:54

oh weh

Oh weh, habe es befürchtet. Ich würde mich nur impfen lassen, wenn weder Aluminium, noch Quecksilber, Formaldehyd oder sonstige Giftstoffe den Impfstoffen beigemengt würden. Ich habe nach einer Impfung erhebliche Probleme bekommen und empfinde das Risiko an Autoimmunerkrankungen, Allergien, Demenz, Nahrungsmittellunverträglichkeiten, Depressionen etc. zu erkranken einfach zu hoch.
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