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Medizin

Meta-Analyse: Stoffwechselgesunde Adipositas ein Mythos

Dienstag, 3. Dezember 2013

dpa

Toronto – Adipöse Menschen haben einer Meta-Analyse in den Annals of Internal Medicine (2013; 159: 758-769) zufolge auch dann ein erhöhtes Sterberisiko, wenn Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin nicht erhöht sind. Für die Autoren ist dadurch der Mythos einer metabolisch gesunden Adipositas widerlegt.

Die (viszerale) Adipositas gehört mit Hypertonie, Hypercholesterinämie und Hypergly­kämie zum metabolischen Syndrom, das zu den wesentlichen Gründen für die Zunahme des Typ 2-Diabetes und die hohe Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählt. Doch nicht alle übergewichtigen oder adipösen Menschen haben die genannten Stoffwechsel­störungen. Vor allem bei jüngeren Menschen kann sie lange fehlen.

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Diabetologen hegen jedoch seit längerem den Verdacht, dass dies nur ein Übergangs­stadium ist. Früher oder später komme es bei den meisten adipösen Menschen auch zum metabolischen Syndrom, vermuten sie. Dafür sprechen auch die Ergebnisse der Meta-Analyse, die das Team um Ravi Retnakaran vom Mount Sinai Hospital in Toronto jetzt vorstellt.

Die Forscher konnten acht Studien mit 61.386 Personen ausfindig machen, in denen Angaben zum Body-Mass-Index und den drei Risikofaktoren gemacht wurden. In den ersten zehn Jahren trat der Endpunkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Tod bei den adipösen Teilnehmern, die (noch?) keine Hypertonie, Hypercholesterinämie oder Hyperglykämie aufwiesen, nicht gehäuft auf. Später kam es dann aber doch zu einem Anstieg. Retnakaran ermittelte für die metabolisch gesunden Adipösen ein relatives Risiko von 1,24, das bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,02 bis 1,55 signifikant war.

Das Risiko war allerdings deutlich niedriger als bei den Teilnehmern mit Stoffwechsel­störungen. Diese metabolisch kranken Personen hatten ein 3,14-fach erhöhtes Ereignisrisiko (2,36 bis 3,93), selbst wenn sie schlank waren. Übergewicht war bei den metabolisch kranken Teilnehmern mit einem 2,70-fach erhöhten Risiko assoziiert (2,08-3,30), bei einer Adipositas war das Ereignisrisiko der metabolisch kranken Teilnehmer noch 2,65-fach erhöht (2,18-3,12). Die Unterschiede zwischen den drei Gruppen waren nicht signifikant (so dass daraus nicht auf einen relativen Vorteil durch das Übergewicht geschlossen werden kann).

Für Retnakaran belegen die Ergebnisse, dass es eine gesunde Adipositas nicht gibt. Die Ärzte sollten deshalb allen fettleibigen Menschen, unabhängig von Labor- und Blutdruck­werten zu einer Reduktion des Körpergewichts raten. © rme/aerzteblatt.de

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