NewsVermischtesStreit um Millionen-Abfindung für vorbestraften Mediziner
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Streit um Millionen-Abfindung für vorbestraften Mediziner

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Freiburg – Das Freiburger Verwaltungsgericht verhandelt über eine umstrittene Millionen-Abfindung für den früheren Freiburger Klinikarzt Hans-Peter Friedl. Der wegen medizinischer Kunstfehler verurteilte Friedl klagt gegen das Land Baden-Württemberg. Eine Entscheidung werde am Freitag verkündet, sagte der Vorsitzende Richter Werner Cordes zum Prozessauftakt am Donnerstag.

Friedl will knapp zwei Millionen Euro Abfindung. Das Land verweigert die Auszahlung des Geldes mit der Begründung, der Arzt habe dem Land und seinem Berufsstand schweren Schaden zugefügt. Friedl war im Februar 2003 wegen mehrerer Kunstfehler zu 24.300 Euro Geldstrafe (270 Tagessätze) verurteilt worden. Dieses Urteil ist rechtskräftig.

Der Prozess in Freiburg ist eine weitere Etappe in der seit Jahren laufenden juristischen Auseinandersetzung zwischen dem heute 53 Jahre alten Friedl und seinem früheren Dienstherrn, dem Land. Mehrere Gerichte haben sich bereits damit beschäftigt. Im jetzigen Streit um die Abfindung stoßen „kontroverse Rechtsauffassungen“ aufeinander, sagte Richter Cordes. Friedl verlange die Auszahlung der vereinbarten Abfindung plus Zinsen, das Land verweigert sich.

Anzeige

Der heute in Kanada lebende Friedl war von 1997 bis zu seiner Suspendierung im Jahr 2000 Leiter der Unfallchirurgie der Universitätsklinik Freiburg. Neben dem Strafverfahren musste er sich seit dem Jahr 2000 einem Disziplinarverfahren stellen, das das Land gegen ihn eingeleitet hatte. Anfang 2009 einigten sich Friedl und das Land auf einen Vergleich: Demnach beantrage der Mediziner die sofortige Entlassung aus dem Beamtenverhältnis, im Gegenzug sollte er 1,98 Millionen Euro Abfindung erhalten.

Nachdem Friedl kein Beamter mehr war, verweigerte das Land die Zahlung und zog den Vergleich zurück. Hintergrund: Die Millionen-Abfindung war öffentlich geworden und in der Landespolitik auf großen Widerstand gestoßen. Hinzu kam ein für das Land günstiges Urteil des Verwaltungsgerichtshofes (VGH) Baden-Württemberg in Mannheim. Friedl entschied sich zur Klage, diese wird nun verhandelt.

Der frühere Chefarzt lässt sich vor dem Verwaltungsgericht von seinem Anwalt vertreten. Persönlich erscheinen muss er nicht. Unklar ist noch, ob das Gericht für Friedls Klage zuständig ist.

Hintergrund: Der Mediziner hat den möglichen Anspruch auf die Millionen an seinen Rechtsanwalt abgetreten. Das Geld würde somit an den Juristen fließen, obwohl Friedl in dem Verfahren der Kläger ist. Der Rechtsanwalt sagte, er sichere sich damit ab. Er habe finanzielle Ansprüche an Friedl, die dieser bislang nicht beglichen habe. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. November 2019
Wiesbaden/Korbach – Im Fleischskandal um das Unternehmen Wilke sieht das hessische Verbraucherschutzministerium erhebliche Versäumnisse bei dem für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Landkreis.
Wilke laut Abschlussbericht zu wenig kontrolliert
18. November 2019
Moormerland – Eine Schlachterei im Landkreis Leer hat vorsorglich all ihre Produkte wegen einer „möglichen Gesundheitsgefährdung durch Listerien“ zurückgerufen. Das teilte der Familienbetrieb aus
Fleischerei im Landkreis Leer ruft Produkte wegen Listeriengefahr zurück
15. November 2019
Kassel/Fritzlar – Neben Ermittlungen wegen vier Todesfällen läuft nun auch ein Verfahren wegen eines möglichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens gegen die mutmaßlich falsche Ärztin aus Nordhessen. Die
Plagiatsverfahren gegen mutmaßlich falsche Ärztin eingeleitet
15. November 2019
Oldenburg – Für ärztliche Kunstfehler bei seiner Geburt bekommt ein schwerstbehindertes Kind aus Gütersloh 500.000 Euro Schmerzensgeld. Das hat das Oberlandesgericht Oldenburg entschieden. Das Kind
Behindertes Kind bekommt Schmerzensgeld wegen Kunstfehlers zugesprochen
14. November 2019
Köln – Zwei Kölner Zahnärzte haben das Arzt-Bewertungsportal Jameda erfolgreich auf die Löschung ihrer Profile verklagt. Die ohne Einverständnis der Betroffenen angelegten Bewertungsseiten seien in
Jameda muss Profile von zwei Ärzten löschen
14. November 2019
Rötha – Acht Ärzte aus der Region Leipzig stehen unter Verdacht, Abrechnungsbetrug in Millionenhöhe begangen zu haben. Die Mediziner, vier davon schon pensioniert, sollen fünf Jahre lang Behandlungen
Abrechnungsbetrug: Ärzte aus Region Leipzig unter Verdacht
12. November 2019
München – Der zu Unrecht gegen seinen Willen mehr als sieben Jahre in der Psychiatrie untergebrachte Gustl Mollath bekommt vom Freistaat Bayern 600.000 Euro. Es sei eine entsprechende gütliche
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER