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Medizin

Tuber­kulose-Impfstoff könnte multipler Sklerose vorbeugen

Freitag, 6. Dezember 2013

Rom – Der Tuberkulose-Impfstoff BCG kann eine multiple Sklerose möglicherweise im Anfangsstadium ausbremsen. Dies zeigen Langzeitergebnisse einer randomisierten klinischen Studie in Neurology (2013; doi: 10.1212/01.wnl.0000438216.93319.ab), die aber auch nach Ansicht des Autors derzeit kein Grund sind, den Impfstoff schon jetzt einzusetzen.

Der vor 80 Jahren in Frankreich aus dem Mycobacterium bovis entwickelte Lebend­impfstoff BCG induziert im Körper eine Immunantwort, die nicht allein auf den Tuberku­loseerreger beschränkt ist. Schon in den 1990er Jahren wurde beobachtet, dass BCG eine günstige Auswirkung auf experimentelle Autoimmunerkrankungen des Gehirns hat.

Giovanni Ristori von der Universität La Sapienza in Rom stellte vor 14 Jahren erste klinische Erfahrungen vor (Neurology 1999; 53: 1588-9), nach denen BCG die Zahl der Läsionen in der Kernspintomographie einschränkt. Bei der multiplen Sklerose mit ihrem unvorhersehbaren schubförmigen Verlauf werden jedoch nur Ergebnisse aus randomi­sierten Doppelblindstudien als Evidenz akzeptiert.

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Eine solche Studie führte Ristori an 82 Patienten durch, bei denen aufgrund von Symptomen (Störung der Berührungsempfindlchkeit, Sehstörungen, Gleichgewichts­störungen) die Verdachtsdiagnose einer multiplen Sklerose gestellt wurde. Die Teilneh­mer wurden auf eine Therapie mit BCG oder Placebo randomisiert. Sechs Monate später wurde bei allen Patienten eine Interferon-Therapie begonnen, die nach heutiger Erkennt­nis den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst. Ab dem 18. Monat wurde die Wahl der Therapie (disease modifying drugs, DMD) den Neurologen überlassen.

Wie Ristori berichtet, kam es in den ersten sechs Monaten nach der Impfung (also noch vor Beginn der Interferon-Therapie) seltener zu neuen Läsionen als im Placebo (drei gegenüber sieben Läsionen). Inzwischen sind fünf Jahre vergangen und noch immer scheinen die mit BCG geimpften Patienten einen Vorteil zu haben.

Bei 58 Prozent ist es laut Ristori bisher nicht zum Ausbruch der Erkrankung gekommen gegenüber 30 Prozent im Placebo-Arm. Die Hazard Ratio von 0,52 war bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,27 bis 0,99 knapp signifikant. Die Zahl der Patien­ten, die aufgrund einer günstigen Entwicklung keine DMD einnimmt, wurde durch die Impfung ebenfalls signifikant gesenkt.

Für Ristori liefert die Studie erstmals Beweise für eine günstige Wirkung der Impfung. Der Neurologe hütet sich allerdings, die Impfung schon jetzt zu empfehlen. Zunächst müssten weitere Studien bei einer größeren Anzahl von Patienten durchgeführt werden. © rme/aerzteblatt.de

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