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„Eine Zurückhaltung gegenüber Brustimplantaten gibt es nicht“

Freitag, 6. Dezember 2013

Köln – Knapp zwei Jahre nach dem Skandal um die Brustimplantate der Firma Poly Implant Prothèse (PIP) sind noch viele Fragen offen. In Deutschland waren mehr als 5.000 Frauen betroffen. Es gibt allerdings nach Einschätzung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Dunkelziffer von 10 bis 20 Prozent. Exakte Zahlen können nicht ermittelt werden, da es in Deutschland bisher kein Register gibt, in dem Implantate erfasst werden.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag nun vereinbart, ein solches verpflichtendes Register für Implantate einzurichten. Ein Vorhaben, das Jutta Liebau, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), ausdrücklich begrüßt.

Aus Ihrer klinischen Arbeit weiß sie: Die Patientinnen fragen seit dem PIP-Skandal häufiger nach der Qualität. Die Nachfrage nach Implantaten sei aber nicht gesunken, weil es Angst vor minderwertiger Ware gebe. Die PIP-Implantate enthielten Industriesilikon.

Liebau glaubt, dass noch viele Frauen PIP-Implantate tragen, weil sie nicht wissen, von welchem Hersteller ihre Brustprothesen sind. Tatsächlich wurden bisher erst 1.500 Explantationen ans BfArM gemeldet. Das könnte allerdings auch der Tatsache geschuldet sein, dass nicht alle Ärzte die Eingriffe melden.

5 Fragen an Prof. Dr. med. Jutta Liebau, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC)

DÄ: Was hat der PIP-Skandal verändert?
Liebau: Wir bemerken, dass seit diesem Skandal die Patientinnen gehäuft nach Beschaffenheit und Sicherheit von Implantaten fragen. Das Thema Qualität der Produkte spielt im Aufklärungsgespräch eine viel größere Rolle als vorher. Eine grundsätzliche Zurückhaltung gegenüber Brustimplantaten gibt es  aber nicht. Die Anfragen und die Zahl der Eingriffe haben sich aus meiner Erfahrung nicht verringert. Was  sicherlich gewachsen ist, ist das Bewusstsein unter Ärzten, dass man Komplikationen bei Implantaten ans BfArM melden sollte.

DÄ: Aber was sagen Sie den Patientinnen zur Qualität? Die Ärzte müssen sich bei Medizinprodukten auf das CE-Zeichen verlassen. Das hatten die PIP-Implantate auch.
Liebau: Das ist genau das Problem. Die Zulassungs- und Prüfbedingungen von Medizinprodukten sind aus meiner Sicht diskussionsbedürftig. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass ein solches Zertifikat in dem Sinne kein Qualitätssiegel ist, für das es eine übergeordnete Kontrollinstanz gibt, sondern dass es verschiedenen Institutionen gibt, die das CE-Zeichen an Industrieprodukte vergeben. Bei den neuen Regelungen der Europäischen Union zu Medizinprodukten kann ich da ehrlich gesagt keine großen Fortschritte erkennen.      

DÄ: Im Koalitionsvertrag steht, dass Union und SPD ein Implantateregister einführen wollen. Was halten sie davon?
Liebau: Das ist absolut zu begrüßen. Für die Qualitätssicherung und mögliche Rückrufaktionen wäre das sehr hilfreich. Eine Langzeitbeobachtung wäre möglich. Das Register ist ein Projekt, das wir seit vielen Jahren auf der Agenda haben, genau wie andere Fachgesellschaften. Es gibt ja bereits ein freiwilliges Register der AWOgyn. Was im Koalitionsvertrag steht, ist zunächst einmal eine Absichtserklärung. Die Frage wird dann sicherlich sein, wie ein solches Register installiert wird, wer es mit Daten füllt und wie das alles finanziert wird. Das muss man sehen. Aber ich denke, die Fachgesellschaften – so auch die DGPRÄC – sind sicherlich bereit, sich dort einzubringen.

DÄ: Die Krankenkassen haben die Patientinnen an den Behandlungskosten beteiligt, wenn die PIP-Implantaten aus rein ästhetischen Gründen eingesetzt wurden. Finden Sie das richtig?
Liebau: Grundsätzlich ist die Rechtslage mit den Folgekosten so gegeben und wird auch umgesetzt. Man muss natürlich aber im Fall PIP auch sehen, dass die Patientinnen da einem kriminellen Akt zum Opfer gefallen sind. Wir haben es in vielen Fällen erlebt, dass die Krankenkassen sich kulant verhalten haben und die Kosten nahezu vollständig übernommen haben. 

DÄ: Also mussten Patientinnen nicht auf die Explantation verzichten, weil sie diese nicht bezahlen konnten?
Liebau: Ein solcher Fall ist mir nicht bekannt. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es noch viele Patientinnen gibt, die weiterhin PIP-Implantate tragen – allerdings nicht aus finanziellen Gründen, sondern aus Unkenntnis. Es gibt Frauen, die nicht wissen, welche Implantate sie tragen. Sie sind möglicherweise völlig beschwerdefrei und gehen auch nicht regelmäßig zur Nachsorge. Bei den PIP-Implantaten müssen wir von einer Dunkelziffer ausgehen. Die Patientinnen leben mit einem erhöhten Rupturrisiko. Ein erhöhtes Krebsrisiko besteht aber nach heutigen Erkenntnissen nicht.   © BH/aerzteblatt.de

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Avatar #712046
Laura.Pfefferkorn
am Montag, 4. April 2016, 22:57

Risiken?

Mich würde interessieren: selbst wenn hochwertige Implantate verwendet werden, ist es nun erwiesen, dass Silikonimplantate generell keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen auslösen oder nicht? Das ist ja nach wie vor ein zwiespältiges Thema, wie z.B. hier beschrieben:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/schoenheitschirurgie-keime-auf-dem-brustimplantat-1.2739235
LNS

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