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Medizin

Risiko für Hirntraumata bei Boxen und Co. ungewiss

Freitag, 6. Dezember 2013

dpa

Toronto – Das Risiko für eine chronische traumatische Hirnschädigung durch häufige Stöße und Schläge auf den Kopf bei Kontaktsportarten ist laut eines Beitrags in der Zeitschrift Neuropsychology Review nur schwer abschätzbar. Das Review von Stella Karantzoulis und Christopher Randolph beleuchtet mögliche Fehler, die häufig bei der Einschätzung des Risikos begangen würden (http://dx.doi.org/10.1007/s11065-013-9243-4 ).

Kontaktsportarten, die mit häufigen Stößen auf den Kopf einhergehen wie Boxen, American Football oder Kopfbälle beim Fußball, gelten als potenzielle Auslöser einer chronisch traumatischen Enzephalopathie (CTE). Die CTE stellt nach gegenwärtiger Auffassung ein eigenes Krankheitsbild dar, das mit Ablagerung von Tauprotein im Gehirn und kognitiven sowie motorischen Einschränkungen einhergeht. Das erhöhte Risiko gilt für Profiboxer als wahrscheinlich, doch die Risiken für Breitensportler beim Amateur­boxen, Football oder bei Kopfbällen im Fußball sind weniger eindeutig.

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Die Autoren des Reviews fassen einige Faktoren zusammen, die möglicherweise zu einer Verzerrung bei der Risikoeinschätzung führen. Nachgewiesene Fälle einer CTE bei ehemaligen Footballspielern wurden häufig im Rahmen eine Autopsie festgestellt. Diese wurden in der Regel von den Familienmitgliedern explizit erbeten, da die Verstorbenen vor ihrem Tod neurologische Auffälligkeiten zeigten. Anhand dieser selektierten Fälle auf ein mögliches Gesamtrisiko für alle Sportler zu schließen ist jedoch laut Randolph und Karantzoulis nicht zulässig.

Weiterhin verweisen die Forscher darauf, dass im herkömmlichen Autopsiegut in rund 20 bis 50 Prozent der Fälle Ablagerung des pathologischen Tau-Proteins im Gehin nachweisbar sind, ohne dass neurologischen Symptome bestanden. Die Rolle entsprechender Ablagerungen bei ehemaligen Kontaktsportlern sei daher schwierig zu deuten.

In einer von Randolph geleiteten Studie konnten die Wissenschaftler keine symptomatischen Unterschiede zwischen ehemaligen Profi-Footballspielern und Nicht-Athleten feststellen, die an einer milden kognitiven Einschränkung litten. Aufgrund der ähnlichen Symptomatik erachten die Wissenschaftler die Definition der CTE als eigenständige Erkrankung als zumindest fraglich.

Nach Aussage der Forscher sei zwar eine dauerhafte Schädigung des Gehirns durch Kontaktsportarten möglich, doch mit den bisherigen Studien sei ein definitiver Zusammenhang nicht sicher nachweisbar. Die bisher verfügbaren Fallberichte und Stichproben sollten daher in Zukunft durch systematische randomisierte Analysen ergänzt werden, so die Autoren. © hil/aerzteblatt.de

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