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Medizin

Leukämie: Langzeit-Remissionen durch genmanipulierte T-Zellen

Montag, 9. Dezember 2013

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Lymphozyten /wikipedia

Philadelphia – Eine Genmanipulation, die US-Hämatologen entwickelt haben, verwandelt T-Zellen von Leukämiepatienten in beharrliche „Jäger“, die auch nach drei Jahren noch den Krebszellen nachstellen. Die Therapie hat einige Leukämie-Patienten zu lang andauernden Remissionen verholfen, wie auf der Jahrestagung der American Society of Hematology vorgestellte Ergebnisse zeigen.

Die neuartige Zelltherapie beginnt mit einer Apherese, bei der T-Zellen aus dem Blut der Patienten entfernt werden. Die T-Zellen werden dann im Labor – mit Hilfe von Lentiviren – mit einem neuen Gen ausgestattet, das die Information für einen chimärischen Anti­gen­rezeptor (CAR) enthält. Der CAR erkennt das Antigen CD19 auf der Oberfläche von Leukämiezellen und leitet eine Immunabwehr ein. Die Therapie kann sowohl bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) als auch bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) einsetzt werden, sofern die Krebszellen sich von B-Zellen herleiten, die das Antigen CD19 exprimieren.

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Nach der Genmanipulation im Labor werden die T-Zellen den Patienten zurückinfundiert. Ein spezielles Signal in den Zellen sorgt dafür, dass sie sich im Patienten stark vermehren. Das Team um Michael Kalos vom der Perelman School of Medicine in Philadelphia schätzt, dass aus jeder einzelnen genmanipulierten T-Zelle mindestens 10.000 T-Zellen hervorgehen, die dann Jagd auf Leukämiezellen machen.

Kalos kann nachweisen, dass die Jägerzellen auch nach Monaten und Jahren noch im Blut der Patienten vorhanden sind und ihre Anzahl mit dem Erfolg der Therapie korreliert. Da sie vom Patienten selbst stammen, kommt es zu keiner Abstoßungs­reaktion.

Auf der letztjährigen Jahrestagung hatten die US-Hämatologen den Behandlungserfolg bei einem damals siebenjährigen Mädchen vorgestellt. Das Mädchen litt an einer ALL. Nach der konventionellen Chemotherapie, die heute die ALL zu 85 Prozent im ersten Versuch ausheilt, war es zu einem Rezidiv gekommen.

Die Zelltherapie erzielte eine nicht mehr für möglich gehaltene Remission, die nach Auskunft der Onkologen auch heute noch, 20 Monate nach der Therapie, anhält. Das Mädchen gehört zu einer Gruppe von 22 bisher behandelten pädiatrischen Patienten mit ALL, von denen sich (einschließlich des Mächens) 19 Patienten (86 Prozent) in Remission befinden, wie das Team um Stephan Grupp von der Kinderklinik in Philadelphia berichtet.

Die Therapie wurde inzwischen auch bei fünf erwachsenen Patienten mit ALL durch­geführt. Alle fünf erzielten laut Grupp eine komplette Remission, die bei einem Patienten bereits seit sechs Monaten anhält. Ein Patient ist nach einer späteren Knochenmark­transplantation in Remission, bei einem anderen Patienten ist es zu einem Rezidiv gekommen. Bei ihm wurden keine genetisch veränderten Zielzellen mehr gefunden.

Am Abramson Cancer Center in Philadelphia wurden auch 32 Erwachsene mit rezidi­vierter oder refraktärer CLL behandelt, davon 14 in einer Pilotstudie und 18 in einer laufenden Phase-II-Studie. Wie David Porter und Mitarbeiter berichten, wurde bei 15 Patienten (47 Prozent) eine komplette Remission erzielt.

Die Therapie ist zwar gezielt gegen die Tumorzellen gerichtet. Es kann jedoch zu schweren Nebenwirkungen kommen, da die massive Attacke der Immunzellen zur Freisetzung von Zytokinen führt. Das „cytokine-release syndrome“ führt zu grippeartigen Symptomen mit hohem Fieber, Übelkeit oder Muskelschmerzen. In einigen Fällen kam es auch zu einem Blutdruckabfall und Atemstörungen, die den Einsatz von Immun­suppressiva wie Tocilizumab (blockiert den Rezeptor für Interleukin 6) erforderlich machten, wie die Mediziner berichten. © rme/aerzteblatt.de

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