Medizin

Alzheimer-Therapie: Johannis­krautextrakte im Fokus

Montag, 9. Dezember 2013

Magdeburg – Extrakte des Johanniskrauts könnten künftig eine therapeutische Option bei der Alzheimer-Erkrankung werden. Einen entsprechenden experimentellen Ansatz haben Wissenschaftler um Jens Pahnke von der Klinik für Neurologie der Universität Magdeburg und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in der Zeitschrift Current Alzheimer Research beschrieben (DOI: 10.2174/15672050113106660171).

Anzeige

Die Forscher untersuchten verschiedene Pflanzenauszüge auf ihre vorbeugende und therapeutische Wirkung im Mausmodell. Fündig wurden sie in speziellen 80prozentigen, ethanolischen Extrakten des Johanniskrautes (Hypericum perforatum). Diese Extrakte scheinen die löslichen und die unlöslichen Aggregate des giftigen Alzheimerproteins beta-Amyloid im Mausmodell um bis zur Hälfte zu vermindern. Diese Reduktion führte zu einer Verbesserung der Gedächtnis- und Orientierungsfunktionen.

Die Forscher konnten für die Effekte zwei Mechanismen identifizieren: Die Aktivierung eines Transportproteins namens ABCC1 und eine Aktivierung der Fresszellen des Gehirnes. So wurde nicht nur die Anzahl von Alzheimer-Plaques verringert, sondern auch deren toxische Abbauprodukte effektiv beseitigt. Letztere wurden in den vergan­genen Jahren zunehmend mit den Hirnleistungsstörungen bei Alzheimer in Zusammen­hang gebracht.

Demenzerkrankungen stellen zunehmend eine große Herausforderung für die Gesundheits- und Pflegesysteme der westlichen Welt dar. Im Jahre 2050 werden nach Hochrechnungen zwischen 106 und 360 Millionen Patienten weltweit zu betreuen sein. Unter den Demenzerkrankungen betrifft Alzheimer mehr als zwei Drittel aller Erkrankten.

Johanniskraut-Präparate werden bisher eingesetzt, um depressive Verstimmungen zu modulieren und zu therapieren. Diese kommen häufig bei älteren Personen und hier insbesondere gehäuft bei Demenzpatienten vor. „Somit ist eine kombinierte antidementive und antidepressive Behandlung von großem Interesse für diese Bevölkerungsgruppe“, hieß es aus der Arbeitsgruppe. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

21.02.17
Lausanne – Die Zusammensetzung der Darmflora könnte die Menge von Amyloidablagerungen im Gehirn beeinflussen und so auch das Risiko für eine Alzheimerkrankung erhöhen. Dies legen Tierstudien nahe, die......
16.02.17
Morbus Alzheimer: BACE-Inhibitor scheitert in Phase 3-Studie
Kenilworth – Der BACE-Inhibitor Verubecestat hat in einer Phase 3-Studie die kognitiven Leistungen von Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz nicht verbessern können. Nachdem eine......
10.02.17
Potsdam – Brandenburg beteiligt sich an einer bundesweiten Initiative für eine bessere Aufklärung über Demenz. In kostenlosen Kursen gibt es Tipps zum Umgang mit Betroffenen. „Man begegnet Demenz......
09.02.17
Philadelphia – Ein Glukosenmangel in neuronalen Zellen könnte für die toxische Bildung von Phosphotau mitverantwortlich sein. In Transalational Psychiatry berichten Forscher um Domenico Praticò von......
31.01.17
Kiel – Wegen der steigenden Zahl von Demenzkranken in Deutschland müssen immer mehr Menschen mit der Krankheit umgehen. Das hat die schleswig-holsteinische Gesundheits-Staatssekretärin Anette Langner......
27.01.17
Bonn – Das Universitätsklinikum Bonn bietet im Rahmen des Projekts „Familiale Pflege“ neben seinen bisherigen Pflegekursen nun auch Schulungen für die Betreuung demenzkranker Angehöriger an.......
27.01.17
Hamburg – Ebenso wie die Zahl älterer Menschen insgesamt steigt auch die Zahl derjenigen, die von einer Demenz betroffen sind. Vor dem Hintergrund präsentiert die Hamburger Gesundheitsbehörde seit......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige