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Medizin

Wissenschaftler stellen Nutzen der präventiven Vitamin D-Substitution infrage

Dienstag, 10. Dezember 2013

Lyon – Wissenschaftler des International Prevention Research Institute in Lyon haben in einer Metaanalyse keine Risikoreduktion für nicht-ossäre Erkrankungen bei präventiver Vitamin D-Einnahme feststellen können. Die Arbeitsgruppe um Philippe Autier veröffent­lichte ihre Analysen in The Lancet Diabetes& Endocrinology (http://dx.doi.org/10.1016/S2213-8587(13)70165).

Vitamin D ist das Prohormon des Calcitriols, eines zentralen Hormons im Knochenstoff­wechsel. Physiologisch wird es durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet und in geringerer Menge über die Nahrung aufgenommen. Therapeutisch wird es zur Behandlung von Osteoporose, Rachitis oder einem Hypoparathyreodismus eingesetzt. Einige Studien suggerieren darüber hinaus mögliche pleiotrope Effekte des Vitamin D. 

Autier und Kollegen analysierten 290 prospektive Kohortenstudien und 172 rando­misierte klinische Studien, welche die nicht-ossären Wirkungen des Vitamins untersuchten. Ein Großteil der prospektiven Studien konnte zwar bei bestehenden hohen Vitamin D-Spiegeln eine geringeres Risiko für Darmkrebs, metabolische und kardiovaskuläre Erkrankungen feststellen, doch die präventive Gabe von Vitamin D-Präparaten zeigte in den Interventionsstudien keine Risikoreduktion für die genannten Krankheiten.

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Auch für Patienten mit einem Vitamin D-Mangel unter 20 ng/ml und einer Zufuhr von 2.000 Einheiten Vitamin D pro Tag und mehr ließen sich in 34 Studien kaum klinische Vorteile nachweisen. Lediglich für ältere Menschen, hauptsächlich Frauen, konnten einige der interventionellen Studien eine moderate Verringerung der Gesamtmortalität zeigen.

Befürworter der präventiven Einnahme bemängeln an den Interventionsstudien häufig eine zu geringe Dosierung, ein ungenügendes Follow-Up oder die Selektionskriterien der Patienten, berichten die Wissenschaftler. Die Arbeitsgruppe schließt jedoch aus der Diskrepanz der Ergebnisse, dass ein erniedrigter Vitamin D-Spiegel möglicherweise nicht der Auslöser, sondern die Folge eines Grundleidens ist. Erniedrigte Vitamin D-Spiegel bei entzündlichen Erkrankungen könnten hierfür sprechen.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie rät zu einem bewussten Umgang mit Vitamin D-Präparaten. Die evidenzbasierte Grundlage sei momentan zu gering für eine generelle Empfehlung. Sie verweist auf zwei große laufende Studien mit jeweils 20.000 Teilnehmern in den USA (VITAL-Studie) und Großbritannien (VIDAL-Studie), welche den Wert einer präventiven Vitamin D-Gabe analysieren. Mit ersten Ergebnissen soll 2016 zu rechnen sein. © hil/aerzteblatt.de

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